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Syriens Außenminister Walid al-Mualem mit seinem venezolanischen Counterpart Nicolas Maduro.

Foto: dapd/Tellawi

Beirut/Hamburg/Wien - Syrien hat allen Staaten mit Vergeltung gedroht, die den von der Opposition gegründeten Nationalrat anerkennen. "Wir werden harte Maßnahmen gegen jeden Staat ergreifen, der diesen illegitimen Rat anerkennt", sagte Außenminister Walid al-Mualem am Sonntag während einer vom Fernsehen übertragenen Pressekonferenz.

Zugleich forderte er Schutz für syrische Auslandsvertretungen. Die syrische Botschaft in Wien und Vertretungen Syriens in anderen Ländern waren am Wochenende von Demonstranten gestürmt worden. Wenn die Länder die syrischen Missionen nicht ausreichend schützten, "werden wir sie genauso behandeln" , sagte al-Mualem.

Staaten des Westens, darunter Frankreich und die USA, haben die Gründung des syrischen Nationalrates begrüßt. Im Gegensatz zum Übergangsrat in Libyen haben sie dem syrischen Gremium jedoch keine Anerkennung angeboten. Eine Verurteilung des syrischen Regimes durch den UN-Sicherheitsrat ist bisher am Widerstand Russlands und Chinas gescheitert.

Auch gegenüber den Demonstranten behält die Regierung in Damaskus ihren harten Kurs bei: Polizisten eröffneten am Samstag das Feuer auf eine Großdemonstration in der kurdischen Stadt Qamishli, wo am Tag zuvor ein prominentes Mitglied des Oppositionsrats ermordet worden war. Mindestens zwei Menschen seien getötet, drei weitere verletzt worden, teilte die Menschenrechtsorganisation Syrian Observatory for Human Rights mit.

Demnach verwandelten mindestens 50.000 Menschen die Beerdigung des kurdischen Regierungskritikers Mishal al-Tammo in eine Protestkundgebung gegen Präsident Bashar al-Assad. Al-Tammo, Sprecher der Kurdischen Zukunftsbewegung, war in seinem Haus von mehreren Eindringlingen erschossen worden. Außenminister al-Mualem bezeichnete eine "Terroristengruppe" als Täter und nannte al-Tammo einen "Märtyrer" . (red/ DER STANDARD Printausgabe, 10.10.2011)