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Ehrgeizig, weltläufig, vielsprachig: Neo-Bertelsboss Thomas Rabe.

Foto: AP/Bruns

Gütersloh/Wien - Thomas Rabe war schon Finanzvorstand der RTL Group, als der Österreicher Gerhard Zeiler 2003 CEO der größten europäischen Fernsehholding wurde, und damit auch sein Chef. Nun wird Rabe mit 46 Gerhard Zeilers oberster Boss: als Vorstandschef von Europas größtem Medienkonzern Bertelsmann ab 2012, der Mutter von RTL.

Fast wäre der Luxemburger Zeilers direkter Konkurrent geworden: 2008 wollten ihn die Finanzinvestoren KKR und Permira als Boss zu ProSiebenSat.1 holen. Rabe schlug dieses wie ein weiteres Angebot aus und blieb in Gütersloh. Bertelsmann die Treue zu halten kommt bei Liz Mohn, der Konzernpatriarchin, gut an.

Mohn ließ sich auf wichtigen Auslandsreisen lieber von dem fünfsprachigen, eleganten, selbstbewussten Finanzvorstand Rabe begleiten, berichten deutsche Medien. Lieber als vom bodenständigen Vorstandschef Hartmut Ostrowski, den Rabe nun vorzeitig ablöst. Bodenständigkeit war bei Mohn 2008 noch gefragt, als Ostrowski antrat und die New-Economy- und Finanzakrobatik seines Vorvorgängers Thomas Middelhoff noch präsent war.

Ostrowski brachte den 15,8 Umsatzmilliarden und 100.000 Mitarbeiter schweren Konzern gut mit Finanzer Rabe durch die jüngsten Krisenzeiten. Wachstumsstrategien, die Ostrowski selbst bei der jüngsten Bilanzpressekonferenz ansprach, lieferte er offenbar nicht.

Impulse

Nun soll der ehrgeizige, weltgewandte Rabe offenbar wieder mehr Welt in den Weltkonzern bringen, mit welchem Team, wird noch spannend. Den Mitarbeitern wurde mitgeteilt: "Wir sind sicher, dass wir mit ihm einen Unternehmer an der Spitze haben, der weitere Impulse für Wachstumsstrategie und Weiterentwicklung von Bertelsmann setzt."

Impulse hat er schon als Finanzer gesetzt. Der einstige Bassgitarrist einer Jugendband, manche Quellen schreiben von Punk, forcierte wieder das Musikgeschäft, insbesondere das Rechtemanagement. Im Internet werden Impulse erwartet, zudem in Asien.

Torsten Klein, Auslandsvorstand der Magazintochter Gruner+Jahr, ist schon in China und Indien aktiv. Über Gruner+Jahr hält Bertelsmann auch die Mehrheit an der News-Gruppe in Wien.

Auch RTL wurde bereits in Asien aktiv. Zeilers Gruppe liefert aber ohnehin schon den allergrößten Teil des Bertelsmann-Ergebnisses. (fid/DER STANDARD; Printausgabe, 12.10.2011)