Brüssel - Der Chronobiologe Till Roenneberg von der Münchener Ludwig-Maximilians-Universität setzte sich am Dienstag im Europaparlament für die Abschaffung der Sommerzeit in Europa ein. Roenneberg sagte, Folgen des "sozialen Jetlags" wären mehr Rauchen, mehr Alkohol und Kaffee trinken, Depressionen und Fettleibigkeit. "Die innere Uhr des Menschen hängt vom Sonnenaufgang ab", betonte der Wissenschafter, der sich auf Untersuchungen am Schlafverhalten von 120.000 Menschen in Mitteleuropa stützt.

Roenneberg betonte, auch Krebsraten und die Lebenserwartung von Menschen würden in Korrelation zum "sozialen Jetlag" hinaufgehen. Der Wissenschafter wollte aber keinen ausdrücklichen und direkten Zusammenhang zur Sommerzeit herstellen. Nachweise gebe es allerdings für einen Anstieg von Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Unfallraten in Folge der Sommerzeit-Umstellung. Schlafmangel habe gravierende Konsequenzen, betonte der Experte. Als erstes würde die soziale Kompetenz von Menschen darunter leiden. Außerdem würden Lernergebnisse im Schlaf konsolidiert, die Ereignisse des Tages vorher würden im Schaf geordnet.

Auch "Frühtypen" stellen sich nicht völlig um

Selbst "Frühtypen" würden sich nach sechs Wochen nicht völlig auf den Sommerzeit-Rhythmus umstellen. "Spättypen stellen sich gar nicht um", sagte Roenneberg. "Jedes Arbeitszeitmodell steht vor der Chronobiologie auf dem Prüfstand", sagte der Professor. In Zukunft könnten Schichtarbeiter etwa besser nach ihren Bedürfnissen eingeteilt werden.

Der deutsche CDU-Europaabgeordnete Herbert Reul sieht in den Forschungsergebnissen Konsequenzen für die Politik. Die Forderung nach Abschaffung der Sommerzeit sei berechtigt, sagte er. "Es geht nicht nur um die Vermeidung von Aufwand. Es geht um die Vermeidung von Schaden." Die Frage müssten aber die Staaten beantworten, die dafür zuständig seien. Ein Beschluss des Europaparlaments hätte keine Wirkung. (red/APA)