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100 lebensgroße Abgüsse des Künstlers Antony Gormley sind als Landschaftsinstallation in Warth aufgestellt - eine davon wollten Diebe entwenden.

Foto: APA/Markus Tretter

Warth - Die "versuchte Entwendung einer Kunstfigur" meldete die Sicherheitsdirektion Vorarlberg am Dienstag aus Warth. Bei der "Kunstfigur" handelt es sich um eine der Eisenskulpturen, die der britische Künstler Antony Gormley im Vorarlberger Hochgebirge aufstellen ließ. 100 lebensgroße Abgüsse des Künstlers bilden auf 2039 Meter Höhe die Landschaftsinstallation Horizon Field.

Nicht alle freuen sich über die Eisenmänner. Von Landschaftsverschandelung ist bei Kritikern die Rede, gar von Sittenlosigkeit (die Eisenmänner tragen keine Wanderhosen). Bruno Berbig, Kommandant der Polizeistation Au im Bregenzerwald, der mit seinen Kollegen nun aufklären muss, wer den Eisenmann vom Wartherhorn "entwenden" wollte, glaubt nicht an einen Vandalenakt von Kunstbanausen, auch nicht an Kunstraub. "Wahrscheinlich steckt da eine Blödelgeschichte dahinter. Freilich eine, die teuer kommen kann."

Ratsche als einzige Spur

Die unbekannten Täter gruben den Betonsockel, auf der die mehr als 600 Kilogramm schwere Skulptur steht, aus und versuchten sie mit "einer Ratsche, einem seltenen Werkzeug, das man im Stahlbau verwendet, abzuschrauben" (Berbig). Dabei fiel die Figur etwa sechs Meter den Hang hinunter. Die rote Schlüsselratsche Doppelsechskant der Firma Super mit der Aufschrift "Made in Japan" ist nun die heißeste Spur der Ermittler. Vermutlich führt sie an einen Stammtisch.

Der Abtransport der Gormley- Skulptur gelang den Tätern nicht. "Er dürfte aber geplant gewesen sein, wir haben Spuren eines Geländewagens gefunden", sagt Berbig. Gescheitert ist die Umsiedlung des Eisenmannes an seinem Gewicht. "Ohne Kran geht da gar nichts", sagt der Inspektor. Laut Polizei wurde die Figur nicht beschädigt: "So ein Eisenmann ist praktisch unverwüstlich."

Im Kunsthaus Bregenz kann man sich zu möglichen Schäden erst äußern, "wenn wir die Figur genau in Augenschein genommen haben", sagt Sprechern Birgit Albers. Der im Moment bekannte Schaden belaufe sich auf die Kosten für den Hubschrauberflug zur Reinstallation der Figur. (jub, DER STANDARD, Printausgabe, 12.10.2011)