Wien - Aufgrund der ab Herbst geltenden Unterrichtsstundenreduktionen könnten nur mehr halb so viele AHS-Schüler wie bisher das Wahlpflichtfach "Informatik" belegen. Das befürchtet der Wiener Universitätsprofessor für Statistik, Erich Neuwirth. Ihn erinnert die Reform daher "irgendwie an Schilda", wie er zum STANDARD meint. Dasselbe Problem betrifft übrigens Fremdsprachen, die im Regelunterricht nicht angeboten werden.

Bisher waren für Schüler in der AHS-Oberstufe mindestens acht Stunden Wahlpflichtfächer vorgeschrieben, wobei es "vertiefende" und "erweiternde" Fächer gibt. Das wird nun auf sechs Stunden gekürzt. Wer somit ein insgesamt sechsstündiges Erweiterungsfach wie Informatik wählt (das in den Klassen sechs bis acht als Wahl- und nur in der fünften als Pflichtfach angeboten wird), kann kein Vertiefungsfach mehr belegen, was den Spielraum bei der Matura einengt. Die Schüler wählten nun "massenweise" dieses Fach ab, höre man von Lehrern in der "Österreichischen Computergesellschaft" berichtet Neuwirth, der einer entsprechenden didaktischen Arbeitsgruppe ("Multimedia und Telematik für Aus- und Weiterbildung") angehört. An manchen Schulen komme das Wahlfach "Informatik" dadurch gar nicht mehr zustande, auch wenn vordergründig bei diesem Unterrichtsgegenstand nichts gekürzt wurde. "Mit einer Informatik-Offensive ist das wohl kaum vereinbar", kritisiert Neuwirth diesbezügliche Äußerungen des Bildungsressorts.

Nächste Woche steht der fünfte Lehrer-Protesttag innerhalb von acht Wochen auf dem Programm. Erstmals streiken alle Lehrersektionen am gleichen Tag. Vor allem an den allgemein bildenden Gymnasien wird die Stundenreduktion massiv bekämpft, während man an den Pflichtschulen vor allem über die Pensionsreform empört war (und ist). Am streikfreudigsten waren die AHS-Lehrer, die zum vierten Mal ihre Arbeit niederlegen. (mon/DER STANDARD, Printausgabe, 31.5/1.6.2003)