New York/Paris - Noch einmal wird am Samstagmorgen (Ortszeit) am New Yorker John-F.-Kennedy-Airport die Flugnummer "Air France 001" auf den Informationsschirmen flimmern. Verläuft alles planmäßig, wird um 8.00 Uhr eine Ära der Zivilluftfahrt zu Ende gehen: Denn zum letzten Mal donnert dann eine französische Concorde über die Runway und wird mit zweifacher Schallgeschwindigkeit über den Atlantik nach Paris jagen.

Die maximal 100 Passagiere können 18 Kilometer über der Erdoberfläche aus den kleinen ovalen Fenstern noch einmal einen Ausblick genießen, der sonst nur Astro- und Kosmonauten vergönnt ist: Die Farbe des Himmels verläuft vom gewohnten Blau langsam in Richtung der ewigen Schwärze des Alls.

34 Jahre sind seit dem Erstflug in Toulouse vergangen, 1976 wurde der kommerzielle Betrieb aufgenommen. Der Vorteil der Geschwindigkeit (drei Stunden und 45 Minuten beträgt die Flugdauer) ging zulasten des Komforts. Die Passagiere sitzen eingepfercht auf den Ledersitzen, das einzige Unterhaltungsangebot an Bord ist die Leuchtanzeige rechts neben der Cockpittür, auf der die aktuelle Geschwindigkeit in Mach zu bewundern ist.

Die Fluggastzahlen begannen schon in den 90er-Jahren zu sinken, nach dem Unglück von Paris, wo bei einem Crash kurz nach dem Start 113 Menschen starben, brausten die Jets mit der charakteristischen spitzen Nase oft halb leer mit 2180 km/h über den großen Teich. Air France und British Airways fuhren die Bremsklappen aus und kündigten das Ende der Flüge an. Bei den Franzosen ist es am Samstag so weit, die Briten werden Ende Oktober folgen.

Verschrottet wird das elegante und filigran wirkende Fluggerät nicht: Die Maschinen werden an Museen verschenkt, eine wird am Pariser Flughafen Charles de Gaulle aufgestellt.(Michael Möseneder/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 31. 5. 2003)