Rom - Der italienische Regierungschef Silvio Berlusconi reagiert wütend auf die Forderung der Mailänder Staatsanwältin Ilda Boccassini, die im Rahmen des Korruptionsprozesses SME am Freitag die Verurteilung des ehemaligen Rechtsanwalts des Premiers, Cesare Previti, zu elf Jahren Haft gefordert hat. "Übertrieben und grotesk" bezeichnete Berlusconi die Haftforderung im Gespräch mit italienischen Journalisten am Rande des EU-Russland-Gipfels in Sankt Petersburg.

Die Haftforderung für seinen Vertrauensmann sei übertrieben, passe aber in die Strategie der Mailänder Richter, die ihm politisch schaden wollten. Mit der Haftforderung versuche man eine Woche vor den Regionalwahlen in Friaul Julisch Venetien und im Aostatal am 8. und 9. Juni, sein Ansehen anzukratzen, sagte Berlusconi.

Der Ministerpräsident bestritt auch, dass er Drahtzieher des Wechsels an der Spitze der Mailänder Tageszeitung "Corriere della Sera" sei. Am Donnerstag hatte Chefredakteur Ferruccio De Bortoli seine Demission eingereicht, was die entrüstete Reaktion der Journalisten der prestigereichen Tageszeitung auslöste. Gegen De Bortolis Demission planen sie am kommenden Freitag einen eintägigen Streik.

Die Journalisten meinen, dass Berlusconi Druck auf die Aktionäre der Tageszeitung ausgeübt habe, um De Bortoli zur Demission zu bewegen, weil der Ministerpräsident mit der oft regierungskritischen Linie des "Corriere della Sera" unzufrieden sei. "Ich kann garantieren, dass ich keineswegs den Wechsel an der Spitze der Zeitung beeinflusst habe", so Berlusconi. (APA)