Wien - Österreichs Versorgungsunternehmen sehen dem ominösen Datumssprung mit Zuversicht entgegen. "Es wurde alles Menschenmögliche getan, damit die Versorgung Österreichs mit Strom, Gas, Fernwärme und Wasser zum Jahreswechsel gesichert ist", stellte Max Stockinger, Präsident des Verbands der Elektrizitätswerke (VEÖ) bei einer Pressekonferenz fest. Das unvermeidliche Restrisiko, "das bei technologisch komplexen Anlagen jederzeit gegeben ist" wurde auf ein Minimum reduziert. Alle Systeme der E-Wirtschaft - auch bei Gas, Fernwärme und Wasser - seien auf ihre Y2K-Tauglichkeit durchforstet worden. Die österreichischen EVU hätten dafür einen Millionenbetrag im hohen dreistelligen Bereich aufgewendet. Die Komponenten, die dabei Mängel aufwiesen, seien jetzt ausgetauscht worden. Nicht ausschließen könne man jedoch Störungseinflüsse von außen, von den Nachbarländern Österreichs. Von dort gebe es aber Garantieerklärungen über einen reibungslosen Ablauf, versicherte Stockinger weiter. Die Anlagen wären überdies in dieser Nacht alle betriebsbereit, erklärte der VEÖ-Präsident weiter. Die Belegschaften der Anlagen stünden jederzeit "Gewehr bei Fuß". In manchen Anlagen komme die vierfache Anzahl des üblichen Personals zum Einsatz, erläuterte er weiter. Zudem habe jedes Versorgungsunternehmen Notlaufpläne entwickelt, die etwa im Strombereich in 15 bis 20 Minuten den Wiederaufbau eines eventuell zusammengebrochenen Netzes ermöglichten. "Das wird aber nicht sein", war sich Stockinger sicher. Ein "Early-warning"-System stehe in Verbindung mit den verschiedenen Zeitzonen, um zeitgerecht Kenntnis über dort anfallende Probleme zu erhalten und "deren Relevanz für Österreich zu prüfen". "Sollte zu Silvester der Strom doch ausfallen, muss das nicht sofort den Zusammenbruch des Stromnetzes bedeuten. Wahrscheinlich liegt es nur an einer durchgebrannten Sicherung", appellierten die Versorgungsverbände-Vertreter an die Vernunft der Kunden, Panikreaktionen zu vermeiden. "Auch die Gasversorger Österreichs haben ihre bereits 30 Jahre bestehende Notversorgungspläne auf den letzten Stand gebracht und zusätzliche Pläne für den Datumssprung ausgearbeitet.", beteuerte Herwig Herbert, Österreichische Vereinigung für das Gas und Wasserfach (ÖVGW). Weiters stehe eine Speicherhaltung im Gesamtvolumen von 2.000 m3 zur Verfügung, "was einige Tage vorhalten würde", so Herbert weiter. Auf Grund der Wärmespeicherung in den Rohrleitungen, Zwischenspeichern und Heizkörpern sei die Fernwärme leicht im Vorteil gegenüber anderen Systemen, hieß es weiter, da ein etwaiger Ausfall, der jedoch auszuschließen sei, erst später spürbar würde. Bei den Y2K-Vorbereitungen gelte aber prinzipiell das Gleiche wie für den Strom. "Es wird höchstwahrscheinlich zu keinem Ausfall kommen", versicherten die Vertreter der Versorgungsverbände. Das größte Risiko bei der Wasserversorgung bestehe in einem Ausfall der Stromversorgung. Davon würde der Konsument aber kaum etwas zu spüren bekommen, da die meisten Anlagen unter Ausnutzung des natürlichen Gefälles arbeiten. Seien jedoch zur Aufrechterhaltung des Versorgungsdrucks Pumpen notwendig, könnten Notstromaggregate auch händisch in Betrieb genommen werden hieß es dazu. Als zentralen Aspekt zur Sicherung der Versorgung Österreichs nannten die Vertreter der Versorgungsverbände die Kommunikation. Zusätzlich zum Fest- und Mobilnetz würden auch batteriebetriebene Funkanlagen in der Nacht zum 1. Jänner 2000 zum Einsatz kommen. Gleichzeitig werde im Bundeskanzleramt ein Infopoint 2000 eingerichtet, wo alle Meldungen über etwaige Störungsfälle sowohl national als auch international einlaufen werden. (APA)