Wien - Die österreichischen Handelsbetriebe, die demnächst in die Lohnverhandlungen eintreten, warnen vor den Folgen der sich zusehends eintrübenden Konjunktur. "Im Juli, August und September hat die Welt für uns schon ganz anders ausgesehen als in der ersten Jahreshälfte", sagte Fritz Aichinger, Obmann der Bundessparte Handel, am Mittwochabend. Er zweifle, ob das heurige Jahresziel, eine "schwarze Null", erreicht werden könne "und für nächstes Jahr müssen wir uns warm anziehen".

Die KV-Verhandlungen für die rund 450.000 Beschäftigten beginnen am nächsten Mittwoch mit der Übergabe der Forderungen durch die Gewerkschaft. Die Ausgangsforderung der Arbeitnehmer ist noch nicht bekannt. Die Gewerkschaft wünscht sich dem Vernehmen nach Verhandlungen über Möglichkeiten, wie man den beträchtlichen Gehaltsrückstand von Frauen verringern kann - beispielsweise über die Anrechnung von Karenzjahren als geleistete Berufsjahre.

Nach Meinung der Wirtschaftskammer kann das Thema "nicht auf KV-Ebene gelöst werden", die Ungleichheiten entstünden auch nicht aus dem geltenden Kollektivvertrag. Sonderregelungen für Beschäftigtengruppen könnten "teilweise sogar kontraproduktiv sein". Etwa 60 Prozent der Handelsangestellten sind Frauen. Stattdessen wollen die Arbeitgeber lieber über die Vereinheitlichung der Zuschläge für Überstunden und Mehrarbeit reden.

Klischee

Aichinger bestritt Vorwürfe der Gewerkschaft, dass die Wirtschaftskammer in ihren Lohnverhandlungen hauptsächlich für kleine, wirtschaftlich schlecht dastehende Betriebe verhandelt und die wirtschaftlichen Erfolge der großen Handelsketten ignoriert. Das sei in mehrfacher Hinsicht ein Klischee, antwortet man in der Kammer: Die Größe bedeute nicht automatisch wirtschaftlichen Erfolg und man vernachlässige auch die Großen nicht. "Wir besuchen laufend Großbetriebe mit mehr als 1.000 Mitarbeitern, auch wenn sie kammerkritisch sind."

Laut Statistik werden etwa 41 Prozent der österreichischen Handelsangestellten von Betrieben mit mehr als 250 Mitarbeitern beschäftigt, nur etwa 19 Prozent der Handelsangestellten arbeiten für Unternehmen mit bis zu neun Mitarbeitern.

Eigentliches Thema des Pressegesprächs am Mittwoch war die wirtschaftliche Lage der Betriebe, die sich nach dem Krisen-Tiefpunkt im Jahr 2008/09 ein wenig verbessert hat, wie Rene Tritscher, Geschäftsführer der Bundessparte Handel, sagte. "Das Niveau von 2005/06 ist aber noch nicht erreicht worden." Grund für die Verbesserung seien die in diesem Jahr besonders niedrigeren Zinsen.

Gewinne

2009/10 haben nach einer Untersuchung der KMU Forschung Austria immerhin 60 Prozent der Unternehmen wieder operative Gewinne geschrieben. Nach wie vor verfügt aber fast ein Drittel über kein Eigenkapital. Vor allem unter den Kleinstunternehmen sind viele buchmäßig überschuldet.

Die Ertragskraft der österreichischen Handelsbetriebe liegt nach der Untersuchung bei einer Umsatzrentabilität von 2,4 Prozent - das heißt, das Vorsteuerergebnis entspricht im Durchschnitt etwa 2,4 Prozent des Umsatzes. Dabei sind Kapitalausstattung und Profitabilität äußerst ungleich verteilt: Die Ertragskraft des Großhandels ist mit 2,8 Prozent am größten, gefolgt vom Einzelhandel (2,5 Prozent), der Autohandel hinkt mit 0,9 Prozent weit hinterher.

Kleinstbetriebe - sogenannte Einnahmen/Ausgabenrechner mit vereinfachter Buchhaltung - machten bei der kalkulatorischen Annahme eines Unternehmerlohn durchschnittlich 7 Prozent Verlust. (APA)