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Muti bei der Pressekonferenz in Stockholm

Foto: Reuters/ Scanpix

Stockholm - Der italienische Stardirigent Riccardo Muti will sein musikalisches Wirken in Zukunft noch verstärkt in den Dienst seines sozialen Engagements stellen und für den Zusammenhalt Europas einsetzen. Der 70-Jährige sagte vor der Verleihung des diesjährigen Birgit-Nilsson-Preises in Stockholm - im Rahmen einer festlichen Zeremonie in der Königlichen Oper erhielt er am Donnerstagabend den Preis von König Carl XVI Gustaf überreicht -, er wolle in den kommenden Jahren weiterhin die "Macht der Musik" im Sinne der Völkerverständigung einsetzen.

Die Musik sei eines der wichtigsten Elemente um vorzubeugen, dass "die Identität unseres Europa nicht zusammenbricht". Was er mit dem Preisgeld - der Birgit-Nilsson-Preis ist mit einer Million Dollar (aktuell ca. 730.000 Euro) einer der höchstdotierte Musikpreise der Welt - machen wird, hielt der Stardirigent geheim. Er wolle nicht sagen inwieweit er vorhabe, die Summe für wohltätige Zwecke einzusetzen. Geld betrachte er als Privatsache: "Ich möchte nicht damit Werbung machen, indem ich anderen helfe. Man kann vulgär sein, aber nicht so vulgär".

Der Preis bezieht seine Mittel aus dem Nachlass der schwedischen Opernsängerin Birgit Nilsson. Er wird im Schnitt alle zwei bis drei Jahre verliehen.  Die Zuerkennung  habe ihn insbesondere deswegen berührt, so Muti, weil die Nilsson eines seiner Sänger-Idole früherer Jahre gewesen sei. Der andere sei der schwedische Tenor Jussi Björling gewesen, der ihn mit seiner Art, wie er seine Stimme einsetzte, besonders beeindruckt habe. Der 2002 verstorbene Gösta Winbergh und Nicolai Gedda seien weitere Beispiele für Ausnahmesänger, die Schweden der Opernwelt geschenkt hätten. 

Derzeit keine Opernpläne in Österreich

Muti hat in den kommenden Jahren weniger Zeit für Engagements in Österreich. Jedenfalls werde er in nächster Zeit keine Opern in Österreich dirigieren, sagte der Dirigent unmittelbar nach dem Erhalt des Nilsson-Preises auf Anfrage. Durch seine fixen Engagements in Chicago und Rom bleibe ihm derzeit leider weniger Zeit für seine "zweite musikalische Heimat". Seine Auftritte würden daher zwangsweise in Österreich künftig "weniger zahlreich" sein als zuletzt. Für ihn sei es jedoch "undenkbar", nicht immer wieder in Österreich sowie mit österreichischen Musikern gemeinsam Projekte durchzuführen.

In nächster Zeit handle es sich dabei ausschließlich um Konzertauftritte. Im Gespräch sei zudem eine mögliche Tournee mit den Wiener Philharmonikern. Der vergangene Festspielsommer in Salzburg unter Interims-Intendant Markus Hinterhäuser sei für ihn "wunderbar" gewesen. "Markus ist ein exzellenter Musiker", war Muti voll des Lobes für die Kompetenz Hinterhäusers.

Die kurz zuvor bekannt gewordene Ernennung von Daniel Barenboim zum Musikdirektor der Mailänder Scala, quittierte der Nilsson-Preisträger mit der Bemerkung, dies sei keine essenzielle Änderung der bestehenden Verhältnisse. "Gewissermaßen war er ja schon bisher der Chef", so Muti, der viele Jahre selbst die Scala geleitet und dort einige seiner ganz großen Erfolge gefeiert hatte.

Die Geschäftsführerin der Königlichen Schwedischen Oper, Birgitta Sveden, würdigte den bisher zweiten Empfänger des Birgit-Nilsson-Preises - der erste war Placido Domingo gewesen - in ihrer Laudatio als "Legende zu Lebzeiten" und als "einen der größten Dirigenten der Geschichte". Muti erwiderte die Komplimente in Richtung der der 2005 verstorbenen schwedischen Ausnahme-Sopranistin. Es sei ein unerfüllter "Lebenstraum" gewesen, einmal mit "La Nilsson" musikalisch zusammenzuarbeiten. Leider sei daraus nie etwas geworden. (APA)