Wien - Die ÖBB wollen gegen ehemalige Manager der Güterverkehrstochter Rail Cargo Austria (RCA) und deren Auslandstöchter rechtlich vorgehen. Laut "Format" soll in den nächsten zwei bis drei Wochen eine Reihe von Verantwortlichen aus Töchtern in Rumänien, Italien und möglicherweise der Türkei strafrechtlich geklagt werden. Zudem behalte sich die Bahn zivilrechtliche Schadenersatzklagen gegen Aufsichtsorgane der betroffenen Gesellschaften vor - außerdem könnte ihnen die Entlastung verweigert werden.

Dem Magazinbericht zufolge könnte vor allem der frühere RCA-Vorstand Friedrich Macher betroffen sein. Er wurde vom RCA-Aufsichtsrat bereits vorige Woche nicht entlastet und musste tags darauf als Geschäftsführer der Speditionstochter Express Interfracht seinen Hut nehmen. Auch für den ehemaligen Express-Interfracht-Aufsichtsrat Gerhard Leitner "sieht es nicht gut aus", schreibt das "Format".

Drei Gutachten

In drei Gutachten der Rechtsanwaltskanzleien Lansky, Ganzger & Partner, CMS Reich-Rohrwig und des Beratungsunternehmens PricewaterhouseCoopers (PwC) würden teure Verfehlungen aufgelistet. Aufgrund der Ergebnisse, die auch auf Untersuchungen der internen Revision basierten, mache ÖBB-Boss Christian Kern nun ernst; entsprechende Sachverhaltsdarstellungen seien in Vorbereitung.

Die Vorwürfe wiegen laut "Format" schwer: Bei der italienischen Tochtergesellschaft Express Italia soll es durch zu hohe Kaufpreise bei der Übernahme von Gesellschaften zu einer vorsätzlichen Schädigung des Unternehmens gekommen sein. In Rumänien stünden ebenso teure wie sinnlose Immobiliendeals, die den Konzern mehrere hunderttausend Euro gekostet haben sollen, in der Kritik der Gutachter. Auch in der Türkei sollen Ex-Manager von Rail-Cargo-Töchtern dem Unternehmen Schaden zugefügt haben.

Die ÖBB bestätigten den Bericht am Freitag und haben am Freitagnachmittag in einer Aussendung den "Format"-Bericht über strafrechtliche Schritte gegen Manager diverser Express-Interfracht-Auslandsgesellschaften in Rumänien, der Türkei und Italien bestätigt, jedoch betont, es gehe "ausschließlich um das lokale Management der genannten Länder". Der frühere RCA-Vorstand Friedrich Macher sowie Ex-Express-Interfracht-Aufsichtsrat Gerhard Leitner "sind von diesen strafrechtlichen Schritten nicht betroffen".

In den betroffenen Ländern lägen "schwere Compliance-Verstöße" vor, "die durch drei unabhängige Gutachten bestätigt wurden". (APA)