Moskau - Der russische Präsident Dmitri Medwedew hat den geplanten Ämtertausch mit Ministerpräsident Wladimir Putin verteidigt und sich gegen Vorwürfe mangelnder Härte gewehrt. "Aus irgendeinem Grund glauben viele, dass jeder, der Präsident wird, um sich schlagen muss und alle zerstören, die ihm in seiner politischen Karriere und seinem Leben geholfen haben." Das sagte Medwedew am Samstag bei einem live im Staatsfernsehen übertragenen Treffen mit Anhängern. Er aber sei nicht so erzogen worden, sagte Medwedew, der nach der Präsidentenwahl in Russland im März 2012 unter Putin Regierungschef werden will.

Putin und er seien seit 20 Jahren Freunde, sagte Medwedew. "Ohne dies hätte ich keine politische Karriere gemacht." Kritiker werfen Medwedew seit dessen angekündigtem Rückzug aus dem Kreml eine nie dagewesene Selbsterniedrigung des Präsidenten vor dem Volk vor. Vor kurzem hatte Medwedew den geplanten Postentausch damit begründet, dass Putin populärer sei als er.

Er bleibe aus Verantwortung für diejenigen in der Politik, die ihre Hoffnungen mit ihm verbunden hätten, sagte Medwedew. "Ich werde mein Potenzial nicht unterschätzen, das, meiner Ansicht nach, noch nicht ausgeschöpft ist." Es sei notwendig, eine "große Regierung" zu bilden, die mit der Regierungspartei und der Gesellschaft zusammenarbeite. "Unser Land braucht eine moderne Entwicklung." Der nächsten Regierung würden "vollkommen neuen Leute" angehören, kündigte Medwedew an.

"Wir wollen es schneller, wir wollen das politische System radikal ändern, wir wollen, dass sich das Investitionsklima bessert", sagte Medwedew. "Aber lasst uns der Wahrheit ins Auge sehen - es wird nicht passieren." Der Kremlchef hatte sich stets als Erneuerer präsentiert. (APA)