Washington/Wien - Ein ausgewachsener Großer Panda kann mehr als zwölf Kilogramm Bambus am Tag fressen, am liebsten in Form von frischen Sprossen. Das nimmt angesichts der kugeligen Form der Tiere nicht wirklich wunder. Erstaunlicher wird die Tatsache allerdings, wenn man sich das Gedärm der Tiere ansieht, das eigentlich gar nicht für die Verdauung von eher holzigem Grünzeug ausgelegt ist.

Erstens fehlt den Bären der für Pflanzenfresser typische lange Darmtrakt, in dem die harte Pflanzennahrung lange genug verweilen kann, um in ihre Nährstoffe zerlegt zu werden. Zweitens besitzen die Tiere in ihrem Erbgut zwar alle Gene, die für den enzymatischen Abbau von Fleisch nötig sind, aber keine Gene für die Verdauung pflanzlicher Nahrung.

Spuren in Stuhlproben

Forscher um Lifeng Zhu vom Institut für Zoologie der Chinesischen Akademie der Wissenschaften fahndeten deshalb in Stuhlproben wildlebender und gefangener Pandabären nach Gensequenzen, die auf Cellulose-abbauende Bakterien im Darm hinweisen könnten.

Die DNA-Analysen lieferten die Bestätigung der Vermutung, wie die Forscher in den Proceedings der US-Akademie der Wissenschaften (PNAS) berichten: Zum einen fanden sich Spuren von Clostridium-Bakterien, die Cellulose verdauen können. Zum anderen entdeckten die Forscher Spuren von Enzymen, die in der Lage sind, Cellulose sowie Hemicellulose aufzuspalten. (tasch, APA, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 18. Oktober 2011)