Bild nicht mehr verfügbar.

Die hohen Studiengebühren an den Unis in Großbritannien brachten die Studierenden schon oft auf die Straße. Die aktuelle "Eurostudent"-Studie zeigt: In keinem EU-Land gibt es höhere Gebühren.

Foto: dapd

Wien/Brüssel - Die Studie "Eurostudent" - drei Jahre Forschungszeit, 24 involvierte Länder, über 200 Seiten über die soziale Lage von Studierenden - und ein Ergebnis: "Den" typischen europäischen Studenten gibt es nicht. "Eine der auffallendsten Eigenschaften der zusammen getragenen Ergebnisse ist die Heterogenität der studentischen Population", stellt Patrick Clancy von der Universität Dublin fest. Die Lebensverhältnisse von Studierenden in Europa unterscheiden sich grundlegend. Am Mittwoch wurde in Brüssel der finalisierte "Eurostudent" 2008 bis 2011 präsentiert.

Auch in punkto Studiengebühren liefert "Eurostudent" fundiertes Datenmaterial: In der Mehrheit der untersuchten Länder sind die Bachelorstudiengänge gebührenpflichtig, durchschnittlich liegen die Kosten unter 100 Euro pro Monat. In Österreich studieren die angehenden Bachelors zu einem großen Teil gebührenfrei - und sind damit in guter Gesellschaft der skandinavischen Länder: In Dänemark, Finnland und Schweden sind die Bachelors vollkommen kostenfrei. Anteilsmäßig müssen die Bachelorstudierenden Litauens am meisten für Studiengebühren ausgeben: Die 177 Euro, die sie pro Monat durchschnittlich bezahlen müssen, machen 41 Prozent ihres Gesamtbudgets aus. Nur in England, Wales und Irland sind die Gebühren höher: Die Studierenden in England zahlen monatlich durchschnittlich 278 Euro für den Bachelor, das sind 17 Prozent ihres Gesamtbudgets.

SPÖ bietet Gutachter auf

Der aktuelle Streit um das von Wissenschaftsminister Karlheinz Töchterle präsentierte positive Studiengebühren-Gutachten des Verfassungsrechtlers Heinz Mayer geht unterdessen weiter: Die SPÖ hat den ebenso renommierten Verfassungsprofessor Theo Öhlinger aufgeboten, der zu einem negativen Ergebnis kommt: "Nach wie vor steht im Gesetz ausdrücklich, dass die Einhebung der Studienbeiträge durch eine Verordnung des Ministers zu regeln ist, dass das also keine Angelegenheit des autonomen Wirkungsbereichs der Universitäten ist."

Aus Sicht von Werner Hauser, Autor eines weiteren Gutachtens, sprechen "eine Fülle von verfassungsrechtlichen Bestimmungen" wie das Prinzip der obersten Leitung und Aufsicht im Bildungswesen gegen Mayers Interpretation.

Die Eurostudent-Ergebnisse zeigen: Trotz der weitgehenden Befreiung von Studiengebühren in Österreich müssen besonders Studierende, die nicht mehr bei ihren Eltern leben, für ihre Lebenshaltung tief in die eigene Tasche greifen: 84 Prozent der monatlichen Ausgaben tragen sie im Durchschnitt selbst - nur Norwegens Studenten zahlen mit 86 Prozent noch mehr selbst.

In den meisten Feldern liegen durchschnittliche österreichische Studierende im Mittelfeld, nur was Zeitbudget betrifft, fallen sie aus dem Rahmen: "Sie wenden im internationalen Vergleich relativ wenig Zeit für studienbezogene Aktivitäten auf", sagt Studienmitautor Nicolai Netz. Mit dem Zeitaufwand für Uni, Lernzeit und Job liegen sie damit an viertletzter Stelle: "Das hat aber nicht unbedingt zu sagen, dass die österreichischen Studierenden faul sind." (Fabian Kretschmer, Tanja Traxler, DER STANDARD, Printausgabe, 21.10.2011)