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Medienstar: Hélène Grimaud Anfang 2011 bei einer Präsentation in New York

Foto: REUTERS/Shannon Stapleton

Wien - Lassen wir das weg: die Wölfe, die Krise, die Krankheit. Hélène Grimaud hat darüber erschöpfend Auskunft gegeben. Nun spielte die Pianistin jene vier Werke, welche sie vor einem Jahr auf CD veröffentlicht hatte. Wie war's? Erschreckend platt, banal.

Am besten passte ihr Interpretationsweg des kraftvollen Zupackens, der satten Gefühlsdarstellung noch zu Mozarts a-Moll-Sonate, einem der wenigen unvermittelten, unverblümten Verzweiflungsschreie des grenznotorischen Gaudimax. Sie variierte, vom Finalsatz abgesehen, klug und gefühlvoll zwischen Dramatik und Lyrik.

Dann Alban Bergs Sonate für Klavier opus 1. Grimaud hatte betont, wie sehr ihr Bergs Entrée in die Welt des professionellen Komponierens seit Teenagertagen am Herzen liege. Irrungen, Wirrungen der Liebe: Die 41-Jährige warf sich in ihrer Wiedergabe dem Werk geradezu an den Hals, vor lauter Zuneigung drückte sie die Klaviertasten fester und fester, ignorierte so drei Viertel der dynamischen Anweisungen Bergs.

Der Kompositionskörper bäumte sich auf, wurde aber letztendlich von der Hände fester Arbeit stranguliert. Aber selbst einen entschwebenden Exitus in dreifachem piano wollte ihm Grimaud nicht gönnen. Bei Liszts h-Moll-Sonate bot Grimaud statt Faust'schem Ringen zwischen schwarzer, bissiger Diabolik und himmelheller Poesie ein ballerlastiges Kriegsepos mit Rosamunde-Pilcher-Episödchen dazwischen. Skurriler, aber schwungvoller Kehraus: Bartóks Rumänische Volkstänze.

Irrungen, Wirrungen der Liebe: Die zahlreichen Grimaud-Fans quittierten die interpretatorischen Fragwürdigkeiten des Medienstars mit Begeisterung.   (Stefan Ender / DER STANDARD, Printausgabe, 21.10.2011)