Wien - Getrieben von der Hoffnung auf eine baldige Lösung der Euro-Schuldenkrise ist die Wiener Börse am Freitag bei schwachem Volumen mit kräftigen Kursgewinnen aus dem Handel gegangen. Der ATX stieg bis Handelsschluss um 56,16 Punkte oder 2,95 Prozent auf 1.956,74 Einheiten.

Damit lag die tatsächliche Entwicklung des Leitindex rund 57 Punkte über der heutigen Händlerprognose im APA-Konsensus von 1.900 Punkten. Zum Vergleich die wichtigsten Börsenindizes um 17.30 Uhr: Dow Jones/New York +1,81 Prozent, DAX/Frankfurt +3,41 Prozent, FTSE/London +1,80 Prozent und CAC-40/Paris +1,85 Prozent.

Zwar werde es bei dem am Wochenende anberaumten EU-Gipfel nicht die zunächst erhofften Entscheidungen geben, hieß es aus Ratskreisen. Eine Problemlösung werde aber von dem für kommenden Mittwoch kurzfristig einberufenen Gipfeltreffen erwartet. Für Unterstützung sorgten im Nachmittagshandel zudem die Aussagen der Ratingagentur Fitch, wonach Änderungen am Euro-Rettungsfonds EFSF die Bonität Frankreichs nicht gefährden würden.

Erste Group kräftig im Plus

In einem europaweit sehr starken Bankensektor gewannen Erste Group an der ATX-Spitze um kräftige 5,94 Prozent auf 15,96 Euro dazu, während Raiffeisen um 3,96 Prozent auf 21,80 Euro vorrückten. Gefragt waren auch die schwergewichtigen voestalpine, die 5,72 Prozent auf 22,64 Euro nach oben zogen. Auch Rohstoffwerte zählten in ganz Europa zu den größten Gewinnern.

Telekom schlossen um 2,60 Prozent fester auf 8,30 Euro. Einem Bericht des Nachrichtenmagazins "Format" habe sich der Investor Ronny Pecik gemeinsam mit Partnern bereits 20 Prozent an der Telekom gesichert und wolle das Paket an die russischen Vimpelcom oder deren türkischen Partner Turkcell weiterreichen. Von einem Insider aus dem Umfeld der Vimpelcom hieß es indes zur Nachrichtenagentur Reuters, die Russen seien nicht interessiert und würden auch keine Gespräche über den Kauf von Telekom Austria-Aktien führen.

Immofinanz bauten ihre Kursgewinne im Nachmittagshandel kräftig aus und schlossen schließlich um 3,45 Prozent fester auf 2,37 Euro. Unternehmenschef Eduard Zehetner hatte bei der Wiener Gewinn-Messe für das laufende Geschäftsjahr 2011/12 eine Dividende von 0,15 Euro je Aktie bestätigt: "Wir wollen 150 Mio. Euro bezahlen".

Wienerberger gingen mit einem vergleichsweise moderaten Plus von 1,32 Prozent auf 8,41 Euro aus dem Handel. Die Wertpapieranalysten von Goldman Sachs hatten die Aktie im Rahmen einer Branchenstudie zum Bausektor von "neutral" auf "sell" zurück genommen und das Kursziel von 11,3 auf 8,2 Euro nach unten revidiert.

Nicht vom allgemeinen Aufwärtssog erfasst wurden Mayr-Melnhof, die sich mit einem Minus von 0,93 Prozent auf 63,90 Euro ins Wochenende verabschiedeten. Die Wertpapieranalysten der UniCredit hatten aufgrund von Anpassungen im Berechnungsmodell ihre Gewinnschätzungen für 2012 und 2013 nach unten revidiert, während die Kaufempfehlung "buy" und das Kursziel von 83,50 Euro unverändert beibehalten wurden. (APA)

Die größten Kursgewinner der letzten Woche:

1. KAPSCH TRAFFICCOM AG +4,66 Prozent

2. FRAUENTHAL HOLDING AG +3,45 Prozent

3. ZUMTOBEL AG +3,35 Prozent

4. IMMOFINANZ AG +3,14 Prozent

5. OMV AG +2,91 Prozent

6. POLYTEC HOLDING AG +2,80 Prozent

7. STRABAG SE +2,42 Prozent

8. SEMPERIT AG HOLDING +1,72 Prozent

9. EVN AG +1,20 Prozent

10. DO&CO RESTAURANTS&CATERING AG +1,04 Prozent

Die zehn größten Kursverlierer der letzten Woche:

1. WIENERBERGER AG -8,07 Prozent

2. PALFINGER AG -8,04 Prozent

3. ROSENBAUER INTERNATIONAL AG -7,70 Prozent

4. ANDRITZ AG -5,55 Prozent

5. VOESTALPINE AG -5,53 Prozent

6. CA IMMOBILIEN ANLAGEN AG -5,28 Prozent

7. UNIQA VERSICHERUNGEN AG -4,92 Prozent

8. CONWERT IMMOBILIEN INVEST SE -4,79 Prozent

9. TEAK HOLZ INT. AG -4,65 Prozent

10. VERBUND AG KAT. A -4,59 Prozent