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Foto: AP Photo/Bebeto Matthews

Berkeley/Wien - Richard Muller, ein Physiker an der Uni Berkeley, war einer der renommiertesten Wissenschafter, auf den sich Klimawandelskeptiker zumindest bis vor kurzem berufen konnten. Anfang dieses Jahres stellte Muller bei einem Hearing im US-Kongress nämlich noch in Frage, dass die bisherigen Analysen der Temperaturaufzeichnungen aus dem 20. Jahrhunderts eine signifikante Erderwärmung zeigen würden.

Um bessere und zuverlässigere Daten zu erhalten, entwickelte Muller mit Kollegen das Projekt Berkeley Earth Surface Temperature (BEST), mit dem auf neuartige Weise die Informationen von praktisch allen rund 39.000 Temperaturmessstationen ausgewertet werden. So gab es bisher nämlich das Problem, dass sich die meisten Messstationen in urbanen Gebieten finden. Und Klimawandelskeptiker legten erhöhte Temperaturen der letzten Jahrzehnte prompt als Effekte des städtischen Mikroklimas aus.

Im Rahmen von BEST analysierten die Forscher um Muller die verfügbaren Temperaturaufzeichnungen seit 1800 mittels neuer statistischer Methoden; zu den ausgewerteten Daten zählten unter anderem jene der World Meteorological Organization der Vereinten Nationen sowie britischer und US-amerikanischer Regierungseinrichtungen.

Die Ergebnisse von BEST sind zwar noch nicht offiziell in begutachteten Fachzeitschriften erschienen. Die Vorveröffentlichungen, die seit wenigen Tagen zirkulieren und auch auf der BEST-Homepage abgerufen werden können, sind aber eine Bestätigung der bisherigen Erkenntnisse zur Erderwärmung: So gehen Muller und Kollegen davon aus, dass sich die Temperaturen an Land seit 1950 um ein Grad Celsius erhöht hätten - was sich mit allen großen Untersuchungen deckt.

Im Gegensatz zu anderen Studien, die den Bias der städtischen Wetterstationen herausstrichen und deshalb auch gerne von Klimawandelskeptikern zitiert wurden, finden die BEST-Forscher, dass diese Abweichungen keinesfalls den globalen Erwärmungstrend widerlegen würden.

Die Kommentare der "orthodoxen" Klimaforscher fallen entsprechend positiv aus. Michael Mann von der Penn State University etwa meinte, dass es natürlich helfe, wenn nun auch der kritische Muller die bisherigen Daten der Klimaforschung bestätige, nachdem er einen "ernsten Blick darauf geworfen hat". Weniger begeistert zeigen sich naturgemäß Skeptiker wie Steve McIntyre vom Blog Climate Audit: Er jedenfalls könne die Ergebnisse von Muller nicht nachvollziehen. (tasch/DER STANDARD, Printausgabe, 22./23. 10. 2011)