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Josef S. Blatter macht ernst...

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...und setzt dabei auf DFB-Kompetenz in Person von Theo Zwanziger.

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Zürich - Weniger Korruption, mehr Transparenz: FIFA-Präsident Joseph S. Blatter hat vier Monate nach seiner Wiederwahl seinen Reformwillen unterstrichen und am Freitag seinen seit langem erwarteten Anti-Korruptions-Plan vorgestellt. Der Schweizer kündigte dabei überraschend an, dass die jahrelang unter Verschluss gehaltenen Akten aus der ISL-Bestechungsaffäre geöffnet werden. Damit könnten hochrangige Funktionäre in Kürze arg in die Bredouille geraten.

"Der Fußball-Weltverband ist nicht korrupt, aber vielleicht sind es einige Mitglieder. Ich bin glücklich, dass wir diese Reformen einstimming beschließen konnten. Wir wollen nicht in der Vergangenheit schwelgen. Wir wollen mit großen Schritten in eine positive Zukunft ohne Betrug und Korruption gehen", sagte der 75-Jährige am Freitag im in Zürich. Einen Rücktritt vor Ende seiner Amtsperiode im Jahr 2015 schloss Blatter kategorisch aus: "Ich werde die FIFA in Ordnung bringen. Es ist nicht meine Absicht, zurückzutreten."

Theo Zwanziger, Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), soll als Vorsitzender einer Kommission die Überarbeitung der FIFA-Statuten anleiten. Zwanziger ist Nachfolger von Franz Beckenbauer im FIFA-Vorstand. Insgesamt wurden nach einer zweitägigen Sitzung des FIFA-Exekutivkomitees im Kampf gegen die Korruption vier neue "Task Forces" gegründet.  Der Weltverband war nach zahlreichen Korruptionsvorwürfen gegen Top-Funktionäre in die schlimmste Krise seiner Geschichte gestürzt. 

"Ich denke, dies ist eine wichtige, verantwortungsvolle, zukunftsorientierte und sicher auch meinen Stärken entsprechende Aufgabe", sagte Zwanziger: "Ich habe in den vergangenen Wochen des Öfteren meine Bereitschaft signalisiert, Verantwortung bei der Neustrukturierung des Weltverbandes zu übernehmen. Daher werde ich die mir zugetragene Aufgabe nunmehr auch entsprechend ernst und zügig angehen."

Eine weitere Kommission soll Vorschläge für mehr Transparenz in der FIFA  erarbeiten, eine dritte die Reform des Ethik-Komitees vorantreiben. Dazu kommt eine bereits etablierte Task Force  unter der Leitung von Franz Beckenbauer, die den Fußball selbst bis zur Weltmeisterschaft 2014 attraktiver machen soll.

Das Exekutivkomitee bestätigte auch die von Blatter nach seiner Wiederwahl am 1. Juni angekündigten Reformen bei der zukünftigen Vergabe der Weltmeisterschaften. Damit wird das Exekutivkomitee, die skandalumwitterte Weltregierung des Fußballs, in Zukunft nur noch eine Vorschlagsliste abgeben. Entscheiden über die WM-Vergabe werden dagegen alle 208 Mitgliedsländer der FIFA in einer Abstimmung.

Bestechungs-Affäre wird neu aufgerollt

Blatter überraschte dann mit der Ankündigung, dass der Weltverband den Strafprozess gegen die frühere Vermarktungs-Agentur ISL mit Hilfe externer Ermittler neu aufrollen will. 2008 waren während des Strafprozesses gegen die ISL Schmiergeld-Zahlungen an Funktionäre der FIFA, des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) und anderer Verbände in Höhe von 138 Millionen Franken öffentlich geworden. Diese Zahlungen sollen von 1989 bis 2001 über dubiose Kanäle geflossen sein. Damit hatte sich die ISL offenbar lukrative Marketingrechte gesichert. Eine völlige Aufklärung gab es aber nie.

Nun könnten die Namen von hochrangigen Funktionären publik werden, die von der mittlerweile bankrotten ISL bestochen worden sein sollen. "Der Fall ISL hat schon viel Unruhe verursacht. Heute hat das Exekutivkomitee auf meine Bitte beschlossen, diese Akte zu öffnen. Das ist eine Akte mit rechtlichen Auswirkungen, und wenn Maßnahmen zu ergreifen sind, wird das nicht das Exekutivkomitee tun, sondern eine externe Organisation", sagte Blatter.

Das Strafgericht Zug hatte das Verfahren eingestellt, nachdem die Begünstigten 5,5 Millionen Schweizer Franken (4,47 Mio. Euro) an die FIFA zurückgezahlt hatten.  Aufgrund dieses Deals blieben die Betroffenen bis heute anonym. Bei den Beschuldigten soll es sich um die Exekutivkomitee-Mitglieder Ricardo Texeira (Brasilien), Nicolas Leoz (Paraguay) und Issa Hayatou (Kamerun) handeln. Alle bestreiten die Vorwürfe. (sid/APA/red)