Bangkok - Der Vorsitzende der "Patriotischen Vereinigung" regierungstreuer Katholiken in China, Bischof Paul Pei Junmin, soll abgesetzt worden sein. Ebenfalls soll Pei seinen Posten als stellvertretender Vorsitzender der Chinesischen Bischofskonferenz verloren haben, wie laut Kathpress der asiatische katholische Pressedienst "Ucanews" unter Berufung auf eine "verlässliche Kirchenquelle" berichtete. Bei den Absetzungen im September beziehungsweise August handle es sich um Disziplinarmaßnahmen gegen den 42-Jährigen, weil dieser sich geweigert habe, an einer vom Vatikan nicht genehmigten Bischofsweihe teilzunehmen.

Ein Sprecher der Bischofskonferenz und der "Patriotischen Vereinigung" dementierte die Nachricht laut "Ucanews". Der Name Peis befinde sich nach wie vor auf der Website der Institutionen. "Ucanews" berichtete unter Berufung auf die anonyme Quelle, Pei befinde sich in Hausarrest und dürfe keinen Kontakt zu anderen Priestern oder Gläubigen aufnehmen.

13 Millionen Katholiken

Nach Darstellung des Pressedienstes nahm Pei im vergangenen November unter Zwang an einer nicht vom Papst gebilligten Bischofsweihe in Chenge teil. Anschließend wurde er im Dezember durch den Nationalkongress katholischer Delegierter zum Vizepräsidenten der Bischofskonferenz gewählt. Im Juli habe sich Pei der Teilnahme an einer anderen Weihezeremonie in Shantou entzogen, indem sich nach Angaben von "Ucanews" rund 80 Geistliche vor seinem Haus versammelten und verhinderten, dass die Polizei ihn zu der Feier brachte.

Rund 13 Millionen von etwa 1,3 Milliarden Einwohnern der Volksrepublik China sind Katholiken; die Behörden verzeichnen jedoch lediglich sechs Millionen. Als kleine Minderheit haben die Katholiken mit rund 100 Diözesen dennoch landesweit funktionierende Kirchenstrukturen. Eine große Besonderheit des chinesischen Katholizismus ist die Teilung in zwei Gruppierungen: Neben einer regimenahen und staatlich zugelassenen "Patriotischen Vereinigung" gibt es die sogenannte Untergrundkirche in Gemeinschaft mit dem Papst.

Die "patriotischen Christen" können mit staatlicher Erlaubnis aktiv sein. Gegen die Mitglieder der "Untergrundkirche" kommt es dagegen regelmäßig zu staatlichen Sanktionen. Immer wieder werden Priester und Bischöfe verhaftet oder verhört.

In der Praxis ist die scharfe Grenzziehung zwischen den beiden Gruppierungen in den vergangenen Jahren allmählich verschwommen. Bis auf wenige Ausnahmen waren bis zu einer unerlaubten Bischofsweihe im vergangenen November inzwischen auch die meisten patriotischen Bischöfe vom Vatikan anerkannt. Den neuen Kurs Pekings, wieder ohne Zustimmung des Vatikan Bischofsweihen anzusetzen, werten Beobachter als eine ernsthafte Gefährdung des zuletzt Erreichten. (APA)