Bild nicht mehr verfügbar.

Am Abbau von 800 bis 900 Mitarbeitern pro Jahr will Pölzl nicht rütteln, weil die Effizienz der Post steigen soll.

Foto: APA/Hochmuth

Mobbing-Vorwürfe lässt Post-Chef Georg Pölzl nicht gelten. Man müsse sich von Leuten, die ihre Leistung nicht bringen, trennen, bevor sie unkündbar sind. 800 bis 900 Postler sollen im Jahr gehen.

                                             ***

STANDARD: Die Post ist mit Mobbing-Vorwürfen der Gewerkschaft konfrontiert. Stimmt es, dass Ihr Unternehmen damit überzählige Mitarbeiter loswerden will?

Pölzl: Also zunächst weise ich Mobbingvorwürfe vehementest zurück, diese haben keine Grundlage. Zum Personalabbau: Ja, wir müssen das Unternehmen in seiner Struktur umbauen und effizienter werden. Um dem Kostendruck standhalten zu können, müssen wir in den nächsten Jahren je 800 bis 900 Mitarbeiter abbauen.

STANDARD:  Dennoch nehmen Sie Leute auf, geht es Ihnen um billigere Jobs?

Pölzl: Wir brauchen neue Mitarbeiter in Teilbereichen, um Pensionierungen und andere Abgänge zu ersetzen. Wir können für neue Aufgaben nicht immer die bereits im Unternehmen befindlichen Mitarbeiter verwenden.

STANDARD:  Warum?

Pölzl: Weil sie beispielsweise für manche Tätigkeiten überqualifiziert sind. Wenn wir heute Sortierkräfte brauchen, dann kann man dafür nur schwer Mitarbeiter aus dem Filialnetz heranziehen.

STANDARD:  Warum?

Pölzl: Das hängt mit der Einstufung dieser Mitarbeiter zusammen, die großteils Beamte sind und jegliche alternative Tätigkeiten nicht annehmen müssen.

STANDARD:  Zurück zum Mobbing. Setzen Sie Leute unter Druck, damit sie gehen?

Pölzl: Ich dulde kein Mobbing im Unternehmen. Wahr ist, wir sprechen sehr konsequent mit Mitarbeitern, die ihre Leistung nicht mehr erbringen können oder wollen - aus welchen Gründen auch immer. Entweder kommt es danach zu einer Leistungsverbesserung oder zur Trennung.

STANDARD:  Betroffen sind vor allem Kollegen, die kurz vor dem Kündigungsschutz stehen. Das spricht doch eher dafür, dass der Arbeitgeber Mitarbeiter los wird, solange es noch geht.

Pölzl: Es ist die Sorgfaltspflicht des Unternehmens, Mitarbeiter, die heute schon ihre Leistung nicht bringen, nicht erst in die Unkündbarkeit reinlaufen zu lassen. Das ist ja absurd. Dann ist endgültig ein Status erreicht, der aus zwei Gründen inakzeptabel ist: aus wirtschaftlichen Gründen, aber auch aus Solidarität zu anderen Kollegen, die ja dann die Arbeit miterledigen müssen. Wenn ein Zusteller seine Leistung nicht erbringt, müssen andere diese Arbeit verrichten. Das führt zu schweren Belastungen. Die Postler verstehen uns teilweise besser als die Personalvertreter, die sich um die ein, zwei Prozent kümmern, die ihren Job nicht machen. Die sollen sich lieber um jene 98 Prozent kümmern, die jeden Tag eine tolle Leistung erbringen. Wir haben in Österreich rund 19.000 Mitarbeiter, die einen Superjob machen.

STANDARD: Wie viele Personen werden denn tatsächlich gekündigt?

Pölzl: De facto wenig, wir streben immer einvernehmliche Lösungen über den Sozialplan an und offerieren auch jenen, von denen wir uns trennen wollen, eine Re-Qualifizierung über die Arbeitsstiftung.

STANDARD:  Einvernehmliche Lösungen klingen nach Golden Handshakes.

Pölzl: Den Ausdruck mag ich überhaupt nicht, weil das nach Riesensummen klingt.

STANDARD:  Bei der Telekom liegen die Zahlungen über 300.000 Euro pro Person.

Pölzl: Wir sprechen bei der Post nicht annähernd von diesen Summen. Es geht um Beträge von deutlich unter 100.000 Euro.

STANDARD:  Ein anderer Ausweg ist der Wechsel in den öffentlichen Dienst, beispielsweise zur Polizei. Wie ist hier der Stand?

Pölzl: Bisher sind 300 Beamte zu Polizei, Innenministerium, Justizministerium oder Finanz gewechselt. Die Programme laufen zudem weiter.

STANDARD:  Wollten Sie nicht 1000 Personen anbringen?

Pölzl: Ja, meine persönlichen Erwartungen waren größer.

STANDARD:  Scheitert ein größerer Wechsel an der Qualifizierung der Postler? Bisher sind ja rund 50 Prozent bei den Eingangstest durchgefallen.

Pölzl: Nein. Das entspricht wegen der restriktiven Prüfungen dem österreichischen Durchschnitt.

STANDARD:  Was bedeutet der Wechsel in den öffentlichen Dienst für die Betroffenen finanziell?

Pölzl: Wir zahlen laut Vereinbarung die Mitarbeiter bis 2014 weiter. Die Post übernimmt zudem eine Mobilitätsprämie von 10.000 Euro.

STANDARD:  Hand in Hand mit dem Mitarbeiterabbau geht die Bereinigung des Filialnetzes. Wie stark wollen sie es noch abspecken?

Pölzl: Wenn wir die heutige Situation mit der vor drei Jahren vergleicht, muss man sagen, dass wir derzeit 300 Geschäftsstellen mehr haben als damals. Die Struktur hat sich allerdings komplett verändert. Von 1900 Stellen werden 1300 von Partnern betrieben. Die selbst betriebenen Filialen entwickeln sich von derzeit 600 in Richtung 500.

STANDARD:  Wie dramatisch sind die Einbußen nach der kompletten Liberalisierung des Briefgeschäfts?

Pölzl: Massensendungen wie Kontoauszüge oder Telefonrechnungen gehen deutlich zurück. In Summe schrumpft hier das Volumen um drei bis fünf Prozent pro Jahr. Die Umsatzerosion konnte unter anderem durch die Produkt-reform mit der Umstellung der Tarife von Gewicht auf Format gedämpft werden. (Andreas Schnauder, DER STANDARD; Print-Ausgabe, 24.10.2011)