Tokio - Japans Regierung rüstet sich wegen des starken Yen für einen neuen Eingriff am Devisenmarkt. Der Dollar-Kurs zum japanischen Yen sei binnen kurzer Zeit stark gefallen, sagte Finanzminister Jun Azumi am Montag. Grund dafür seien nicht wirtschaftliche Daten, sondern spekulative Geschäfte. Sollte dies zunehmen, müsse die Regierung handeln. "Ich habe meine Mitarbeiter bereits am Samstag damit beauftragt, sich zum Handeln vorzubereiten." Der starke Yen belaste den Export und bremse die Konjunkturerholung nach dem Erdbeben vom März.

Der Außenhandel schlägt sich zwar noch relativ gut und verlor jüngst weniger Schwung als befürchtet. Die schwindende globale Nachfrage dürfte aber der exportlastigen drittgrößten Volkswirtschaft künftig zu schaffen manchen. Im September kletterten die Ausfuhren um 2,4 Prozent binnen Jahresfrist und damit mehr als doppelt so stark wie von Experten erwartet, wie das Finanzministerium mitteilte. Das Wachstum verlangsamt sich jedoch, im August gab es noch ein Plus von 2,8 Prozent. Die Einfuhren kletterten mit 12,1 Prozent etwas langsamer als vom Markt erwartet. Die Handelsbilanz wies nach dem Defizit im August mit 300,4 Mrd. Yen (2,84 Mrd. Euro) wieder einen Überschuss aus. Experten hatten mit einem Drittel weniger gerechnet.

Die Erholung im Export verliere deutlich an Tempo, sagte Yoshiki Shinke, Chefökonom am Dai-Ichi Life Research Institute. "Ich bin nicht sehr optimistisch, was die Aussichten angeht. Die Folgen des schwächeren weltweiten Wachstums und des Yen-Anstiegs werden stärker zu spüren sein."

Der Yen war am Freitag auf ein Rekordhoch zum Dollar gestiegen, die US-Währung war nur noch 75,78 Yen wert. Shinke geht davon aus, dass Japan wie bereits im Sommer an den Devisenmärkten intervenieren könnte, wenn der Dollarkurs unter 76 Yen bleibt oder unter 75 fällt. Japans größte Wirtschaftslobby drängte die Regierung zu entschiedenem Handeln und forderte, notfalls auch im Alleingang einzugreifen. (APA)