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Wenn die Einspritzpumpe streikt, dann hilft es auch nicht, die Batterie zu laden.

Foto: AP Photo/Hermann J. Knippertz

Ich habe einen ersten Erfolg zu verbuchen: Eine Woche steht mein Auto schon auf dem Parkplatz und ich habe es nicht angerührt. Das liegt daran, dass meine Beine und die Öffis meine Hauptverkehrsmittel in dieser Woche waren. Und Fahrgemeinschaften. So auch am Sonntag auf dem Weg zum Training und wieder retour. Es ist doch schön, wenn man sich vollkommen ausgepowert in ein Auto setzen kann und bis zur Haustür chauffiert wird. Da hatte ich fast schon Mitleid mit meinen Teamkolleginnen, die wir überholt haben, als sie zur Straßenbahn gegangen sind.

Das Mitleid ist aber schnell in Neid umgeschlagen: Auf der Simmeringer Hauptstraße, zwischen dem dritten und vierten Tor des Zentralfriedhofs, waren nicht nur wir ausgepowert, sondern offensichtlich auch das Auto. Es streikte. Meiner Freundin gelang es gerade noch, auf die linke Fahrbahnseite zu Hausnummer 357 zuzufahren, bevor gar nichts mehr ging. Alle Warnleuchten blinkten gleichzeitig und wir schnauften.

Maximal zwei Stunden

Wenn nix mehr geht, dann bleibt nur noch eines: den Pannendienst zu rufen. Die Lage war schnell erklärt und die nette Dame am anderen Ende der Leitung versprach uns schnelle Hilfe. "Maximal zwei Stunden wird es dauern", waren ihre letzten Worte bevor sie auflegte. Wir schnauften wieder. Es war kurz nach halb neun Uhr abends. Uns beiden war klar, dass "maximal zwei Stunden" der Code für "eine Stunde und 59 Minuten war" - oder vielleicht doch "zwischen drei und vier Stunden"?

Eine halbe Stunde später wollten wir "der Kiste" (Auto war es für uns schon lange keines mehr) noch eine Chance geben und betätigten die Zündung. Es sprang an, wir reihten uns in den Verkehr ein und rollten gefühlte zehn Meter weiter wieder auf den linken Fahrbahnrand zu. Immerhin hatten wir es bis Hausnummer 407 geschafft. Das Problem: Jetzt standen wir in einer Bushaltestelle und schafften es nur durch Schieben und Lenken, das Auto ein wenig aus dem illegalen Bereich hinauszumanövrieren. Der Bus ließ auch nicht lange auf sich warten. Wir betätigten die Warnblinkanlage, der Fahrer beobachtete uns kurz durch die Windschutzscheibe und fuhr vorbei. Wir schnauften wieder.

Straßenbahn: Jetzt erst recht

Während der nächsten eineinhalb Stunden überlegten wir uns, ob man nicht auch den konkurrierenden Pannendienst anrufen und einen kleinen Wettbewerb zwischen den Clubs ausrufen sollte. Oder stellten uns die Frage, wie viele Pannendienst-MitarbeiterInnen gerade in Wien unterwegs sein würden. Unsere Antwort: wahrscheinlich zwei. Und einer macht gerade seine gewerkschaftliche Pause. Als der Hunger kam, wollten wir uns eine Pizza bestellen. Verwarfen den Gedanken aber schnell wieder, weil es doch seltsam ausgesehen hätte, wenn wir den Wagen als Adresse angegeben hätten und dann in unseren Trainingssachen ausgestiegen wären. 

Also spielten wir zum Zeitvertreib ein Spiel. Die Farbe der Autos aus der Entfernung raten. Gut funktioniert hat das nicht, denn als die Autos am Seitenfenster vorbeifuhren und man die Farbe erkannt hätte, bemerkten wir, dass die Scheiben schon vollkommen beschlagen waren. Lüften war bei den Temperaturen und in kurzer Hose einfach nicht drinnen. Erst als der Pannendienst an uns vorbeifuhr, wagten wir uns hinaus.

Pünktlich, eine Stunde und 57 Minuten nach dem Anruf, war der Pannenhelfer wirklich zur Stelle. Die Diagnose: Einspritzpumpe defekt. Meine Freundin wurde vom netten Techniker nach Hause gebracht und ich bestieg die Straßenbahn. Es war eine Viertelstunde vor Mitternacht und ich war um eine Erkenntnis reicher: Das nächste Mal benütze ich gleich von Anfang an die Bim. (Bianca Blei, derStandard.at, 25.10.2011)