Wien - Nicht nur die Universitäten in Österreich und Belgien klagen über Ressourcenprobleme wegen zu vieler ausländischer Studenten, auch in den Niederlanden kämpft man mit ähnlichen Problemen. Zwischen 2006 und 2010 ist dort die Zahl der ausländischen Studenten um 19.000 auf 54.500 gestiegen. In zugangsbeschränkten Fächern ist der Anteil an Ausländern - darunter viele Deutsche - von 9,3 auf 18,3 Prozent gestiegen. Mehrere Parteien fordern nun deshalb die Einführung von Ausländerquoten in beschränkten Studien, wie das Uni-Nachrichtenportal "University World News" berichtet.

Plätze auslosen

Sowohl die Regierung aus Rechtsliberalen (VDD) und Christdemokraten (CDA), als auch die rechtspopulistische Partei für die Freiheit (PVV) von Geert Wilders und die Sozialistische Partei (SP) haben die hohen Kosten ausländischer Studenten von 100 Mio. Euro pro Jahr für die Staatskasse kritisiert. Die PVV und SP haben daraufhin gefordert, dass es eine Obergrenze für den Anteil an Ausländern bei der Auslosung von Studienplätzen geben soll.

"Numerus fixus"

In den Niederlanden gibt es seit dem Jahr 2000 einen sogenannten "Numerus Fixus", ein nach Maturanoten gewichtetes Losverfahren: Gibt es mehr Interessenten als Studienplätze, entscheidet das Los. Auch wenn die Regierung ein Überangebot an bestimmten Fachkräften verhindern will, entscheidet eine Ziehung darüber, ob man sein Wunschstudium beginnen kann. Das ist etwa in Medizin der Fall.

Die Gewichtung erfolgt durch Zuteilung zu einer von fünf Kategorien abhängig vom Notenschnitt bei der Matura. Studenten in der besten Kategorie A bekommen auf jeden Fall einen Platz. Für die übrigen Gruppen zählt: Je besser die Maturanoten, umso höher der Anteil an Studenten, die aus dieser Gruppe einen Platz erhalten und desto besser die eigenen Chancen. Ausländische Studenten landen derzeit unabhängig von ihren Noten in der Gruppe C, aus der 53 Prozent einen Studienplatz bekommen.

Budget-Engpässe

Schon jetzt kämpft das niederländische Uni-System wegen eingefrorener Budgets mit Engpässen, die Zahl der Studenten soll unterdessen laut Prognosen des Hochschulministeriums bis 2020 von derzeit rund 656.000 um ein Drittel steigen. Dementsprechend werden künftig immer mehr Fächer vom "Numerus Fixus" betroffen sein. VDD-Bildungsstaatssekretär Halbe Zijlstra habe dafür plädiert, künftig anstelle des Loses "Exzellenz" etwa in Form von Noten oder Motivation entscheiden zu lassen.

Auch wenn das nichts vollkommen Neues ist, weil schon jetzt manche Unis in überfüllten Fächern für bis zu 50 Prozent der Plätze zusätzliche Kriterien festlegen können, ortet "University World News" einen Paradigmenwechsel: "Es war lange Zeit ein Tabu, über Auswahlverfahren zu sprechen. Aber das scheint sich zu ändern." (APA)