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Zahlreiche Gräber sollen bereits entfernt worden sein.

Foto: AP/Sebastian Scheiner

Jerusalem - Ausgerechnet über historischen muslimischen Gräbern in einem sensiblen Jerusalemer Stadtteil soll ein Museum für Toleranz errichtet werden. Archäologen aus Europa, den USA und dem Nahen Osten wollen den Bau des israelischen Museums verhindern. 84 Unterzeichner hätten in einem Brief an Bürgermeister Nir Barkat und das Simon-Wiesenthal-Zentrum gegen die Errichtung des Museums für Toleranz auf dem sogenannten Mamilla-Friedhof im Westen Jerusalems protestiert, hieß es am Montag auf der Internetseite des Zentrums für Verfassungsrechte (CCR) in New York. Möglicherweise kommen die Proteste zu spät: Zahlreiche Gräber sollen bereits in einer Schnellaktion binnen fünf Monaten entfernt worden sein. Die weiteren Arbeiten müssten dennoch sofort gestoppt werden. Nach israelischen Angaben sollen dort weitere 200 Gebeine exhumiert werden.

Ein Sprecher von Bürgermeister Barkat wies die Forderung nach einem Baustopp zurück. Das Projekt habe alle juristischen Hürden einschließlich einer Entscheidung des Obersten Gerichtshof Israels genommen, erklärte er. Nachdem der Oberste Gerichtshof die Arbeiten zunächst auf Eis gelegt hatte, gab er im Jänner 2009 schließlich grünes Licht für den Bau. Die Verteidiger des Projekts hatten unter anderem argumentiert, dass das Gelände auch als Parkplatz genutzt werde.

Friedhof aus dem zwölften Jahrhundert

Der zu Mamilla verkürzte Ma'man Allah Friedhof stammt aus dem zwölften Jahrhundert. Dort sind mehrere Sufi-Heilige bestattet. Auch sollen dort Mitstreiter und Soldaten des legendären muslimischen Herrschers Saladin beerdigt worden sein. Der Tel Aviver Archäologe Raphael Greenberg erklärte, der Friedhof solle als eine "Demonstration des Respekts für das gemeinsame Erbe Jerusalems" erhalten werden. Unter den Unterzeichnern des Briefes sind mehrere israelische und palästinensische Wissenschafter. (red/APA)