Berlin - Der hohe Ölpreis und die neue Luftverkehrssteuer drücken bei der defizitären Fluggesellschaft Air Berlin weiter auf das Ergebnis. Im dritten Quartal fiel das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) nach vorläufigen Berechnungen um 44 Prozent auf 96,8 Mio. Euro, wie Deutschlands zweitgrößte Fluglinie in der Nacht zum Mittwoch mitteilte. Der Umsatz stieg dagegen um elf Prozent auf 1,38 Mrd. Euro. Den vollständigen Zwischenbericht will Air Berlin am 17. November vorlegen. Air Berlin ist Hälfteeigentümer von Niki Laudas Billigairline Niki ("flyniki"). Eine neue Anleihe soll bis zu 150 Mio. Euro einbringen.

Die operative Entwicklung im dritten Quartal liege erneut unter den Markterwartungen, kommentierte DZ-Bank-Analyst Robert Czerwensky die vorläufigen Zahlen. "Ein harter Winter und andere externe Schocks könnten zu schweren Verlusten im vierten Quartal 2011 führen", fügte er hinzu und empfahl die Air-Berlin-Aktien zum Verkauf. Die im SDax gelistete Aktie, die seit Jahresbeginn knapp 30 Prozent ihres Wertes verloren hat, notierte am Donnerstag rund ein Prozent im Minus bei 2,62 Euro.

Nach Jahren schneller Expansion steckt Air Berlin unter dem Strich tief in den roten Zahlen und hat einen Schuldenberg von mehr als 600 Mio. Euro angehäuft. Der als Übergangschef angeheuerte ehemalige Deutsche-Bahn-Vorstandsvorsitzende Hartmut Mehdorn hat dem Konzern einen scharfen Sparkurs verordnet. Commerzbank-Analyst Johannes Braun bezweifelt allerdings, dass Air Berlin eine schnelle Trendwende schafft: "Wir erwarten für 2012 weiter ein negatives Ebit" erklärte er.

"Air Berlin hat ein großes Kostenproblem", fand auch Nils Machemehl von Equity Research. Dabei spielten nicht nur der Ölpreis und die Luftverkehrssteuer ein Rolle - auch Ausgaben für Marketing oder Materialkosten hätten die Quartalsergebnisse belastet.

Wandelanleihe

Nun erhöht sich noch ein weiterer Kostenfaktor: Um eine Wandelanleihe, die im April 2012 von den Investoren angedient werden kann, zurückkaufen zu können, begibt Air Berlin eine neue Anleihe im Volumen von bis zu 150 Mio. Euro. Mit einem Kupon von 11,5 Prozent ist der Preis dafür hoch - für die letzte, im April begebene Anleihe zahlt Air Berlin jährlich 8,25 Prozent. Die neue Anleihe soll am 1. November ausgegeben und drei Jahre später zurückgezahlt werden. Die Zeichnungsfrist läuft noch bis diesen Freitag (28. Oktober). Danach will Air Berlin die Gläubiger einer Wandelanleihe aus dem Jahr 2007 auffordern, ein Angebot zum Verkauf ihrer Teilschuldverschreibungen auszugeben

"Die neue Finanzierung erhöht die Flexibilität, aber auch die Zinskosten", urteilte daher Analyst Machemehl. Die Experten schätzen die zusätzlichen jährlichen Kosten für Air Berlin auf 10 bis 12 Mio. Euro. "Wir erwarten aber nicht, dass Air Berlin in der absehbaren Zukunft das Geld ausgeht", blieb Machemehl zuversichtlich.

Wichtiges Sommerquartal

Das Sommerquartal ist für Air Berlin besonders wichtig. Die Fluglinie erzielt einen Großteil ihres Geschäfts mit den Reiseveranstaltern, für die zwischen Juli und September Hochsaison herrscht. Die Konzernspitze um den neuen Vorstandschef Mehdorn machte für den Gewinnrückgang bereits die zu Jahresbeginn eingeführte Ticketsteuer sowie den anhaltend hohen Ölpreis verantwortlich.

Air Berlin hatte nach anhaltenden Verlusten Ende August die Reißleine gezogen. Der Unternehmensgründer und bisherige Vorstandschef Joachim Hunold nahm seinen Hut. Der bisherige Aufsichtsratschef Mehdorn übernahm das Steuer. Nun will Air Berlin die Flotte von 170 auf 152 Maschinen zusammenstreichen, unrentable Verbindungen fallen weg. Zudem nimmt das Unternehmen bereits bestellte Flugzeuge von Boeing und der EADS-Tochter Airbus erst später ab. (APA/Reuters)