Frankfurt - Beim Einsatz des gerinnungshemmenden Präparates Pradaxa (Wirkstoff: Dabigatran, Anm. Red.) von Boehringer Ingelheim sollen Ärzte künftig weitere Vorsichtsmaßnahmen ergreifen. Sie sollen die Nierenfunktion von Patienten vor einer Behandlung mit dem Präparat überprüfen, wie das Familienunternehmen am Donnerstag mitteilte. Bei Patienten, die älter als 75 sind oder unter einer beeinträchtigten Nierenfunktion leiden, solle das Organ mindestens jährlich untersucht werden. Patienten mit schweren Nierenfunktionsstörungen sollten das Mittel erst gar nicht erhalten. Pradaxa wird hauptsächlich über die Niere ausgeschieden. Das Unternehmen aus Ingelheim bei Mainz habe sich mit der Europäischen Arzneimittelbehörde EMA verständigt, die Medikamentenbeschreibung entsprechend zu aktualisieren.

Kein Gegenmittel bei Blutung

Vor einigen Wochen hatte die Medizin-Fachzeitschrift "New England Journal of Medicine" (NEJM) in einem Leitartikel betont, dass es für neue Thrombose-Mittel wie Pradaxa noch keine Gegenmittel gibt, die die Wirkung bei lebensbedrohlichen Blutungen rasch umkehren können. Bei dem seit Jahrzehnten als Standardmedikament verwendeten Warfarin zur Vorbeugung von Schlaganfällen leistet dies Vitamin K. In Japan muss der Pharmakonzern nach Todesfällen bereits genauer über die Risiken des Präparats informieren.

Das Fehlen eines Gegenmittels könnte auch für Rivalen, die ebenfalls neue Präparate zur Schlaganfallvorbeugung entwickeln, zum Thema werden. Dazu zählen die Präparate Xarelto von Bayer und Johnson & Johnson , Eliquis von Pfizer und Bristol Myers Squibb sowie Lixiana von Daiichi Sankyo . Für die Pharmabranche ist das Behandlungsfeld Schlaganfallprävention ein Riesenmarkt. Denn das inzwischen patentfreie Warfarin gilt als schwer dosierbar. Zudem müssen bei Einnahme strikte Diätvorschriften eingehalten werden. Den zumeist älteren Patienten fällt dies oft schwer.