Wien - Die Diskussion um die für nächstes Jahr geplante X-Jam-Maturareise nach Nordzypern reißt nicht ab. Während der Bundeselternverband (BEV) heftige Kritik an der Wahl Nordzyperns als Reiseziel übte, beriefen sich die Veranstalter DocLX und Ruefa auf Unterstützung durch die EU-Kommission.

Die Veranstalter zitierten aus einem Schreiben von Michaela di Bucci vom EU-Kommissariat für Erweiterungsfragen: "Ich kann nur noch einmal wiederholen, dass die Europäische Kommission der wirtschaftlichen Entwicklung der türkisch-zyprischen Gemeinschaft einen hohen Stellenwert beimisst und dazu ein eigenes Hilfsprogramm durchführt. Die Annäherung der türkisch-zyprischen Gemeinschaft an die Europäische Union ist eine der Hauptzielsetzungen dieses Programms. Dazu gehören auch zwischenmenschliche Kontakte (sog. People to people contacts) zwischen EU-Bürgern und Türkisch-Zyprern, gerade auch der jungen Generation."

Walter Krahl von Ruefa-Reisen erhob schwere Vorwürfe gegen die Republik Zypern: Die Botschaft habe "mit allen Mitteln versucht, diese Reise zu verhindern, und scheute auch vor Übertreibungen und unrichtigen Darstellungen nicht zurück". Der Veranstalter betonte, dass "schon bisher jährlich rund 200.000 Gäste auch aus EU-Ländern ihren Urlaub in Nordzypern verbringen. Das von uns gebuchte Hotel der Maturareise verzeichnet jährlich rund 20.000 Gäste, die dort eine sichere und unbeschwerte Zeit verbringen."

Unverfrorenheit warf hingegen Theodor Saverschel, Präsident des BEV, den Veranstaltern vor. "Hier wird eine Zielgruppe vorsätzlich im Unklaren gelassen, die sich kaum wehren kann. Es geht um unsere Kinder und da hört sich jeder Spaß auf." Der Elternvertreter weiter: "Ich meine, es ist schon schlimm genug, dass solche Reisen mehr oder minder in einen durchgehenden Alkoholexzess münden. Jetzt muss das auch noch in einem Gebiet stattfinden, in dem man sich illegal aufhält und ungeklärte Fragen zur Sicherheit und medizinischer Versorgung bestehen."

Der BEV unterstütze im übrigen den Schritt des VKI bezüglich Klage auf Unterlassung von Alko-Werbung bei Maturareisen "vollinhaltlich". Saverschel: "Ich empfinde es als Verhöhnung, wenn mit unlimitiertem Genuss von Alkohol geworben wird und derselbe Veranstalter in einer medialen Aussendung die Gesundheit der Jugendlichen als oberste Priorität ankündigt." Auch unterstütze der BEV die Forderung des Landesverbandes Katholischer Elternvereine Wiens, ein Werbeverbot für alle Suchtmittel an den Schulen bundeseinheitlich durchzusetzen.(APA)