Wien - Das erste "SciBarCamp Vienna" wird am Wochenende in Wien über die Bühne gehen. Dabei handelt es sich um eine zweitägige wissenschaftliche Konferenz, die ohne festes Programm auskommt - also eine sogenannte "Unkonferenz", wie es seitens der Initiatoren heißt. Der Ablauf wird durch die Teilnehmer selbst festgelegt und auch die Themenwahl geht von ihnen aus.

Das Besondere an "BarCamps" sei, dass es keinerlei Vorgaben der Veranstalter gebe, wie Initiatorin Brigitta Dampier betont. "Prinzipiell kann jeder teilnehmen, es gibt keine fixe Sprechereinteilung und keine hierarchische Gestaltung des Ablaufs", so die Biochemikerin, die die Veranstaltung in Kooperation mit dem Biologen, Michael Horak organisiert. Auf das BarCamp-Konzept sei sie "zufällig über Twitter aufmerksam geworden", so Dampier.

Kaffeepausen als einzige Fixpunkte

Das Konzept beruhe auf einer Idee des Schweizer Kunstkurators Hans Ulrich Obrist, der 1995 eine Konferenz für Wissenschafter und Kulturschaffende organisieren sollte und aufgrund der unklaren Themensetzung lediglich die Kaffeepausen im Programm ließ. Obrist begründete das damit, dass seiner Meinung nach, die interessantesten Gespräche auf solchen Konferenzen meistens in den Pausen stattfänden.

Die Idee wurde dann vor allem von der IT-Branche aufgegriffen. In der Wissenschaft habe man sich erst kürzlich dem Konzept angenommen, so Dampier, die auf erste wissenschaftliche BarCamps in Palo Alto, Toronto und Cambridge verweist. In Cambridge hat sich Dampier zusammen mit Horak ein Bild vom dortigen Ablauf der Veranstaltung gemacht und daraufhin den Beschluss gefasst, das Konzept auch nach Wien zu bringen.

Es schälen sich Themen heraus

Jeweils in der Früh werden an den beiden Tagen 40-minütige Sitzungen von Gruppen mit zehn bis 15 Leuten zu den vorgeschlagenen Themen vereinbart. Das eine oder andere Thema habe sich bereits im Vorfeld abgezeichnet, da die bisher angemeldeten rund 50 Teilnehmer bereits über Social-Media-Plattformen ihre Vorschläge deponieren und diskutieren konnten.

So würden etwa die Gründer des Wiener Startup-Unternehmens mySugr "über ihren Werdegang sprechen und den schwierigen Weg von der Idee zur Umsetzung skizzieren", so die Biochemikerin. Das Unternehmen, das eine Smartphone-App zur Unterstützung von Diabetes-Therapien entwickelt hat, wurde kürzlich bei der Wiener "Startup Week" mit dem Hauptpreis ausgezeichnet. Weitere Schwerpunkte würden voraussichtlich auf den Gemeinsamkeiten von Kunst und Naturwissenschaften, auf Statistik oder dem Patentrecht liegen. Dampier: "Wir sind stolz, dass es uns gelungen ist das Thema Wissenschaft von so vielen Seiten abzudecken".

Kleingruppen senken Hemmschwelle

Interdisziplinarität zu fördern sei das große Ziel der Veranstaltung. Es sei wichtig, Leute aus verschiedensten Gebieten anzusprechen, denn "wie kommt normalerweise jemand aus der Krebsforschung mit jemandem, der sich mit Wissenschaftsjournalismus auseinandersetzt, in Berührung?" Dampier erwartet sich vor allem viele Diskussionen, da die Gruppen relativ klein sein werden und sich in diesem Setting im Unterschied zu großen Konferenzen "auch die Schüchternsten" einbringen könnten.

Die Veranstalterin rechnet damit, dass "das Publikum eher jünger sein wird. Von den alteingesessenen Professoren haben wir nur einzelne Anmeldungen". Ein Knackpunkt sei es, "den Leuten das Konzept einmal näher zu bringen. Wenn das Konzept auf geht, kann man sich auch eine Wiederholung der Veranstaltung vorstellen", resümiert Dampier. (APA/red)