Washington - Pioniere, die einen neuen Lebensraum besiedelten, bekamen im Durchschnitt mehr Nachkommen als Paare, die in einem bereits bewohnten Gebiet leben. Zu dieser Erkenntnis gelangten Wissenschafter aus Kanada und der Schweiz bei der Analyse von Daten aus kanadischen Kirchenarchiven. Die Siedler trugen über ihre Kinder und Kindeskinder mehr Gene in die nachfolgenden Generationen und hatten somit auch langfristig einen größeren evolutionären Erfolg. Vermutlich ermöglichte die reichliche Verfügbarkeit von Land den Menschen, früher zu heiraten und Kinder zu bekommen, schreiben die Forscher im Fachjournal "Science".

Claudia Moreau von der Universite de Montreal (Quebec/Kandada) und ihre Mitarbeiter hatten mit Hilfe von Einträgen in Kirchenarchiven die Stammbäume von mehr als einer Million Menschen untersucht, die in einer recht spät besiedelten Region von Quebec leben oder lebten. Die Besiedlung des Gebiets Charlevoix Saguenay Lac-Saint-Jean nordöstlich der Stadt begann Anfang des 17. Jahrhunderts. Ein schnelles Bevölkerungswachstum und die Entwicklung einer holzverarbeitenden Industrie erlaubte die Ausbreitung und Besiedlung immer neuer Gebiete bis ins 19. Jahrhundert hinein.

Erstbesiedler mit mehr Nachfahren

Die Auswertung der Hochzeits- und Geburtsregister zeigte, dass ein Großteil der Bevölkerung, die heute in dem Gebiet lebt, Vorfahren hat, die damals zu den Erstbesiedlern eines neuen Gebietes gehörten. Diese Pioniere heirateten - im statistischen Mittel - rund ein Jahr früher als Paare, die im bereits besiedelten Kernbereich eines Gebietes lebten. Sie bekamen rund 15 Prozent mehr Kinder, die wiederum häufiger heirateten als die der "Kernsiedler", berichten die Wissenschafter.

"Die Menschen konnten tatsächlich jünger heiraten, da in den neuen Randgebieten mehr Farmland verfügbar war als in den Kerngebieten, wo gutes Land häufig bereits besetzt war", sagt der beteiligte Wissenschafter Laurent Excoffier von der Universität Bern und dem Schweizer Institut für Bioinformatik (SIB). (red/APA)