Rom - Der am Samstag zurückgetretene italienische Premier Silvio Berlusconi hat offenbar die Hoffnung nicht aufgegeben, noch einmal an die Macht zu kommen. Berlusconi zeigte sich am Sonntag über die Arbeit seiner Mitte-rechts-Partei "stolz" auf seine bisherige Arbeit und bereit, den "Weg der Regierung" wieder aufzunehmen, wie er in einem Brief an die Teilnehmer am Kongress der Rechtspartei "La Destra" in Turin erklärte. Diese Worte nähren Spekulationen, dass Berlusconi in der Politik bleiben und bei den nächsten Parlamentswahlen wieder kandidieren könnte.

"Ich bin stolz auf das, was wir in diesen letzten dreieinhalb Jahren getan haben, die von einer internationalen Krise ohne Gleichen in der Geschichte gekennzeichnet waren", schrieb Berlusconi. "Ich teile Ihre Ansichten und hoffe, dass wir gemeinsam den Weg der Regierung wieder aufnehmen werden", betonte der zurückgetretene Ministerpräsident in seinem Schreiben an die Aktivisten der Rechtspartei.

Modernisierung Italiens dürfe nicht verloren gehen

Berlusconi betonte, er hoffe, dass die errungenen Resultate zur Modernisierung Italiens nicht verloren gehen würden. "Jemand sorgte dafür, dass die italienische Politik einen Sprung zurück macht, als der Wille der Wähler von Parteioligarchien ignoriert wurde, die die Macht verwalteten, ohne sich bei den Bürgern verantworten zu müssen", warnte Berlusconi.

Innenminister Roberto Maroni berichtete, er habe lang mit Berlusconi nach seinem Rücktritt gesprochen. "Er ist mitgenommen, müde und verbittert, doch er ist ein großer Kämpfer", so Maroni, "Nummer Zwei" der mit Berlusconi verbündeten rechtspopulistischen Lega Nord. Maroni kritisierte die Menschenmenge, die am Samstagabend mit Schmährufen und Pfiffen Berlusconis Rücktritt gefeiert hatte. "Das was wir gesehen haben, war nicht schön: Leute, die beleidigen, spucken und Gegenstände werfen", kritisierte Maroni. (APA)