Als Berufsoffizier und sicherheitspolitisch sensibilisierter Staatsbürger kann und will ich nicht zu dem in der Reportage "In der Welt der Offiziere" gezeichneten Bild des Bundesheeres und vor allem des Offiziers schweigen, denn Schweigen hieße Zustimmung.

Im feinen Gestühl eines Wiener Offizierskasinos schwillt einem Milizoffizier vor dem Mikrophon anscheinend schnell die Brust und man lässt sich zu Aussagen wie "das Bundesheer ist marode, die Soldaten verplempern die Zeit, die Panzer fahren nicht mehr und die Truppe ist verunsichert" hinreißen.

Zum Thema Wehrpflicht werden Polemiken aufgefahren die ein Schlag ins Gesicht jedes Berufssoldaten sind. Nach Meinung jener weltfremden Herren sind Berufssoldaten grundsätzlich "Putschisten", die jüngeren davon der "Bodensatz der Gesellschaft" und Wehrpflichtige die einzig geeignete Personengruppe um Cyberabwehr und Terrorismusbekämpfung sicherzustellen.

Sicherheitspolitische Veränderungen der letzten Jahre verschlafen?

Meine Herren, als langjähriger Berufssoldat der zahlreiche Einsätze im In- und Ausland für die Sicherheit der österreichischen Bevölkerung geleistet hat und auch weiterhin leisten wird, muss ich ihnen vorwerfen, dass sie die sicherheitspolitischen Veränderungen der letzten Jahre anscheinend verschlafen haben. Sie haben auch den historischen Ursprung der Wehrpflicht, nämlich möglichst rasch, möglichst viele Soldaten und das möglichst billig für die damals recht untechnisierte aber verlustreiche Kriegsführung mobilisieren zu können, nicht verstanden.

Nun, die Zeiten haben sich geändert, Soldatenhandwerk bedeutet heutzutage hochtechnisierte Ausrüstung beherrschen zu können und zu müssen und ist nichts für Soldatenlehrlinge. Die gegenwärtigen Krisenherde haben sich an die Peripherie der Europäischen Union verlagert und die Gemeinsame Sicherheits- und Verteidigungspolitik der EU nimmt zwar langsam, aber doch Formen und Strukturen an. Als Beispiele seinen die ständige strukturierte Zusammenarbeit ausgewählter EU-Staaten oder multinationale Sicherheitsvorsorgen wie z.B. die EU-Battlegroups angeführt. Aus diesem Grund hat die Mehrzahl der europäischen Staaten ihr Wehrsystem mit mehr oder minder großen Anlaufschwierigkeiten auf Freiwilligenheere umgestellt. Ein Berufsheer erfordert aber nicht nur eine Professionalisierung der präsenten Soldaten, sondern auch eine Professionalisierung der Miliz, wie sie auch im Konzept des BM Darabos vorgesehen ist. Haben sie vielleicht vor dieser Professionalisierung Angst, weil sie gar so vehement für die Beibehaltung der Wehrpflicht polemisieren?

Charles de Gaulle erkannte die geänderten sicherheitspolitischen Anforderungen schon 1934, als er sagte "Wir sollten nicht die Armee erhalten, an die wir gewöhnt sind, sondern die Armee aufstellen, die wir benötigen." (Franz Langthaler, derStandard.at, 5.11.2011)