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Hat sich der Papst von der sogenannten "Kloster-Route-Rattenroute" distanziert?

Foto: AP/PIER PAOLO CITO

Durch einen Artikel der "Presse" vom 27.November 2011 wurde ich wieder an den Eichmann Prozess erinnert.

Das ganze Grauen und der dämonische Judenhass dieses Massenmörders wurde mir wieder bewusst. (Zum Beispiel "das Mädchen mit dem roten Mantel"). Ein entscheidender, wesentlicher Teil, der immer wieder verschwiegen wird, fehlte mir in diesem Bericht, bzw in der Glosse dazu , nämlich wie konnte Adolf Eichmann nach Kriegsende nach Argentinien entkommen ?

Auf der Rattenroute

Wie heute bekannt ist, gelangte er mit Hilfe des Pfarrers von Sterzing über die österreichische Grenze nach Südtirol, wo er im Franziskanerkloster Bozen untergebracht wurde. Im Jahre 1950 hatte er genug Ersparnisse zusammen, um mit Hilfe deutsch-katholischer Kreise um den österreichischen Bischof Alois Hudal im Vatikan über Italien entlang der sogenannten Rattenlinie nach Argentinien auszuwandern. Eichmann gab sich als Riccardo Klement aus. Dieser Name stand auch in seinem Flüchtlingspass des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz in Genua. Einige Zeit später holte er seine Familie nach.

Ich bin schon vier Jahre Mitarbeiter im Gedenkort Schloss Hartheim, Oberösterreich. Dort mordete Franz Stangl, ein Massenmörder in der NS Euthanasie zuerst in "der Mörderschule Hartheim" [Zitat S.Wiesenthal], dann in der Aktion Reinhard verantwortlich für die Ermordung von 900 000 Juden, er gelangte auch auf der Rattenroute des Vatikan und des Bischof Hudal nach S-Amerika wie viele andere auch.

Bisher keine Distanzierung

Der Papst, der Vatikan hat sich niemals von dieser Klosterroute-Rattenroute distanziert, ihre Drahtzieher niemals verurteilt oder ihre Verbrecher geahndet, gestraft, sich von ihnen distanziert oder sie exkommuniziert.Der Vatikan hat sich auch niemals entschuldigt für die verbrecherischen Machenschaften von Bischof Hudal und dieser ist niemals von weltlichen Gerichten zur Verantwortung gezogen worden. Das halte für ein noch größeres Verbrechen als das Schweigen des Papstes Pius XII zum Holocaust. Bischof Hudal und seine Protektoren mit ihrer Rettung der NS Massenmörder sind ein höhnischer Schlag in das Gesicht des Judentums und aller Menschenrechte und wird im common sense der UNO und aller zivilisierter Menschen - mit wenigen Ausnahmen - einfach hingenommen und toleriert.

Der Vatikan hat anscheinend durch diese Fluchthilfe nichts an moralischer Autorität eingebüßt. So fügt sich dieses Verschweigen und die Toleranz gegenüber diesen Verbrechern der NS Massenmorde ein in die Reihe der Verlogenheit und Verschlagenheit des Vatikans wie wir sie aus der Geschichte beim Franco Regime, bei der Ustaschabewegung in Kroatien und bei Prälat Tiso in der Slowakei in der Vergangenheit und im Missbrauchskandal der Gegenwart erleben mussten.

Ich kann mich vom Verdacht nicht lösen, -sit venia verbis-, dass der Vatikan bei Adolf Eichmann klammheimlich und unbewusst froh war, dass auch für die Kirchenführung endlich die lange Tradition des eigenen Antisemitismus durch die NAZIS, vor allem durch Adolf Eichmann, es "zur Endlösung der Judenfrage" gekommen war.

Demütigung für die Opfer

Alle späteren Erklärungen von Papst und Konzil zum Holocaust, die in Friedenszeiten keinen Mut mehr gebraucht haben und opportun waren, halte ich für Makulatur, solange diese giftigen Wurzeln nicht radikal entfernt werden, ja noch vielmehr für einen Zynismus, der die Opfer zutiefst demütigen muss. Wegen dieser Verbrechen der Nazi Mörder Rettung spreche ich der ganzen Kirchenhierarchie jedes Recht ab, in ethischen Fragen ihre Stimme erheben zu dürfen. Massenmörder zu schützen, sie der Gerechtigkeit zu entziehen halte ich für das gleiche Verbrechen wie den Mord selbst. (Leser-Kommentar, Michael Pammer, derStandard.at, 12.12.2011)