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Mehr als ein Drittel der befragten Frauen fühlten sich von Ärzten "nicht ernst genommen".

Foto: AP/Greg Baker

Wien - Frauen haben eine höhere Lebenserwartung als Männer, letzter sind im Alltag aber weniger durch Behinderungen und andere funktionale Beeinträchtigungen eingeschränkt. Zunehmender Stress und veränderte Lebensgewohnheiten bedingen bei Frauen heute mehr Herz-Kreislauferkrankungen und mehr psychische Erkrankungen wie Depressionen. Für die frauenspezifische Gesundheitsversorgung ergibt sich eine große Herausforderung, war der Tenor eines Pressegespräches des Gesundheitsdienstleisters Vamed in Wien. 

Seit 2003 ist die Lebenserwartung von Frauen von 81,5 auf 83,2 Jahre gestiegen. Allerdings leben heutzutage 22,3 Prozent mit Beeinträchtigung. Bei den Männern beträgt die Lebenserwartung aktuell 77,7 Jahre, 18 Prozent davon fühlen sich bei der Verrichtung alltäglicher Arbeiten durch eine Behinderung beeinträchtigt. Das zeige eine Auswertung der von Statistik Austria erhobenen Daten.

Gender Medizin

Auch eine Umfrage zum Thema Gender Medizin wurde präsentiert. Hier gaben 36 Prozent der Frauen an, schon einmal das Gefühl gehabt zu haben, vom Arzt falsch oder nicht ausreichend behandelt zu werden, weil sie "nicht ernst" genommen wurden. Auch rund ein Viertel der Männer stimmte dieser Aussage zu. Gut die Hälfte der befragten Frauen verneinte in der Telefonumfrage des Marktforschungsinstitut GfK im Auftrag von Vamed, dass sie ausreichend über die unterschiedlichen Wirkungen von Medikamenten bei Männern und Frauen informiert sind. Bei den Männern fühlten sich 58 Prozent ausreichend informiert, 35 Prozent antworteten mit "Nein".

Befragt wurden 500 Österreicher ab 15 Jahre. "Der Bedarf für frauenspezifische Gesundheitsversorgung - insbesondere in der Prävention - liegt auf der Hand", sagte Vamed-Unternehmenssprecher Ludwig Bichler. Laut Karin Gutierrez-Lobos, Vizerektorin der Medizin-Uni Wien, wird auf psychosoziale Faktoren in der Diagnose und in der Behandlung zu wenig eingegangen. Dass 70 Prozent der verschriebenen Psychopharmaka Frauen erhalten, ist für die Expertin "wissenschaftlich nicht fundierbar". (APA)