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Die körperliche Befindlichkeit weltweit zu vergleichen ist schwierig

Foto: AP/David Albers

Wien - Sind ältere Menschen geistig fit, können sie länger im Berufsleben stehen und werden schließlich nicht so schnell zu Pflegefällen. Die geistigen Fähigkeiten sind daher ein besseres Maß für die Last des Alters als die Zahl der Lebensjahre, meinen Forscher des Internationalen Instituts für Angewandte Systemanalyse (IIASA) in Laxenburg (NÖ). Bei einem Vergleich des Kurzzeitgedächtnisses von 50- bis 85-Jährigen weltweit zeigte sich, dass alte Menschen in reichen Staaten geistig jünger sind als in Schwellenländern. Die Ergebnisse der Studie sind in der Wissenschaftszeitschrift Proceedings of the National Academy of Sciences (PNAS) erschienen.

Geistige Fitness als vergleichbare Eigenschaft

"In allen Ländern wird die Bevölkerung unweigerlich älter, aber die Frage ist: In welchen Staaten kommt man besser damit zurecht", so Studienleiter Vegard Skirbekk vom IIASA. Er hält es für wichtig, dafür Eigenschaften wie die geistige und körperliche Gesundheit der Menschen heranzuziehen. Die körperliche Befindlichkeit weltweit zu vergleichen sei schwierig, so Skirbekk, denn wer sich etwa in einem Land für rüstig und gesund hält, gilt anderswo vielleicht als gebrechlich und senil.

Sein Team hat in verschiedenen Studien zu 50- bis 85-jährigen Personen Daten über eine weltweit leicht vergleichbare Eigenschaft gefunden: die Fähigkeit, sich zehn Wörter zu merken und nach kurzer Zeit mehr oder weniger korrekt wiederzugeben. Damit wird das Kurzzeitgedächtnis geprüft, das wichtig ist, um etwa im Beruf zu bestehen und finanzielle Entscheidungen zu treffen. Funktioniert es gut, hat man nach Angaben der Wissenschafter auch ein geringeres Risiko, an Demenz zu erkranken.

Nordeuropäer und US-Amerikaner am fittesten

Die Senioren in Ländern mit hohem Bildungsniveau und guten Gesundheitsstandards schnitten dabei am besten ab, so die Wissenschafter. Nordeuropäer und US-Amerikaner sind geistig in allen Altersklassen am fittesten. Knapp dahinter die Mitteleuropäer, also etwa Österreicher, Deutsche und Franzosen. Ältere Menschen in China, Indien, Mexiko und den Mittelmeerländern müssen sich dagegen mit ihrem Kurzzeitgedächtnis mit den hinteren Rängen begnügen.

Damit die Bevölkerung im Alter geistig rüstig bleibt, sind viele Faktoren gleichzeitig wichtig, so Skirbekk: "Die Gesundheit, die Qualität und Länge der Ausbildung, der Lebensstil, dass man geistig und körperlich aktiv ist, wie gesund man sich ernährt, ob man im Job geistig aktiv ist und vieles mehr."

Ab wann eine ältere Bevölkerung für eine Gemeinschaft zur Herausforderung wird, hängt vor allem vom Alter ab, in dem die geistigen Fähigkeiten deutlich abnehmen, so die Wissenschafter. Probleme mit dem Altern würden weniger Länder mit einer älteren Bevölkerungsstruktur bekommen, als jene Staaten, deren Senioren bei der geistigen Fitness schlecht abschneiden.  (APA)