Damaskus - In Syrien sind erneut Dutzende Soldaten, die zur Protestbewegung überlaufen, getötet worden. Die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte in London sprach von rund hundert Deserteuren, die am Dienstag bei neuen Vorfällen in der Provinz Idleb getötet oder verletzt worden seien, auch zahlreiche Zivilisten kamen ums Leben. Ein erstes Beobachterteam der Arabischen Liga reist am Donnerstag nach Syrien.

Die jüngsten Kämpfe ereigneten sich den Londoner Angaben zufolge am Vormittag zwischen den Dörfern Kafruwed und Al-Fatira, rund 330 Kilometer nördlich der Hauptstadt Damaskus. Dabei habe die syrische Armee die Deserteure umzingelt und sie dann getötet oder verletzt, berichtete die Beobachtungsstelle unter Berufung auf Augenzeugen. Außerdem seien insgesamt 33 Zivilisten von Sicherheitskräften getötet worden - 24 in Idleb und neun in Homs. Bereits am Montag soll die Armee in der Provinz Idleb nahe der türkischen Grenze bis zu 70 Deserteure getötet haben.

Der Vize-Generalsekretär der Arabischen Liga, Ahmed Ben Helli, teilte in Kairo mit, das Beobachterteam werde am Donnerstag in Damaskus eintreffen. Geleitet werde die Gruppe von einem weiteren Stellvertreter des Generalsekretärs der Liga, Samir Seif al-Yazal. Dem Team sollen Beobachter für Sicherheit, Recht und Verwaltung angehören. Später sollen Experten für Menschenrechte folgen. Die eigentliche Beobachtermission wird Ben Helli zufolge General Mohammed Ahmed Mustafa al-Dabi leiten, früherer Chef des sudanesischen Militärgeheimdiensts und Sicherheitsstaatssekretär.

Syrien hatte der Entsendung einer arabischen Beobachterdelegation am Montag nach monatelangem Hin und Her zugestimmt. Der syrische Vize-Außenminister Faisal al-Makdad unterzeichnete am Sitz der Arabischen Liga in Kairo ein entsprechendes Protokoll zum Schutz von Zivilisten. Die Mission ist Teil eines Krisenplans der Arabischen Liga, mit dem ein Ende der Gewalt in Syrien erreicht werden soll. Die im Golfkooperationsrat zusammengeschlossenen arabischen Monarchien forderten am Dienstag zum Abschluss ihres Gipfeltreffens in Riad das Ende der Repression in Syrien.

Armee übt in Manövern Landesverteidigung

Unterdessen übt die Armee mit Manövern die Landesverteidigung, um gegen mögliche militärische Interventionen im Konflikt mit der Opposition im Land gewappnet zu sein. Die Luft- und Seestreitkräfte erprobten ihre Kampfkraft, um sich "jeder Aggression" entgegenstellen zu können, meldete die amtliche Nachrichtenagentur SANA am Dienstag. Bei den Übungen der Luftwaffe und der Luftabwehr zur Verteidigung des syrischen Luftraums komme scharfe Munition zum Einsatz. Bereits Anfang des Monats hatte die syrische Armee Großübungen abgehalten. (APA)