Belgrad - Mit dem neuen Jahr hat sich Serbien von zwei weiteren Überbleibseln Jugoslawiens verabschiedet. Ab dem heutigen Sonntag sind die jugoslawischen Kennzeichentafeln und die blauen Pässe mit der Aufschrift Bundesrepublik Jugoslawien (SRJ, Serbien und Montenegro) nicht mehr gültig.
Die Nummerntafeln wurden 1961 in der damaligen Sozialistischen Föderativen Republik Jugoslawien (SFRJ) eingeführt. Nach dem Zerfall des Staates Anfang der 1990er Jahre wurde 1998 nur eine kleine Korrektur vorgenommen. Das Symbol des kommunistischen Vielvölkerstaates, der rote Stern, auf den Tafeln wurde durch die Flagge der Bundesrepublik Jugoslawien ersetzt. Ab heute müssen alle Fahrzeuge in Serbien mit neuen EU-konformen Kennzeichen versehen werden.
Verfassungsstreit
Die Einführung der neuen Tafeln sorgte für einen Verfassungsstreit. Im März 2010 beschloss das Verfassungsgericht, dass die lateinische Schrift trotz der Verfassungsbestimmung, dass die kyrillische Schrift die offizielle ist, auf den Tafeln zulässig sei. Serbien habe vom ehemaligen Jugoslawien die Internationale Verkehrskonvention übernommen, die in lateinischer Schrift unterzeichnet worden sei, lautete die Entscheidung des Verfassungsgerichtes.
Auch die Kombination der zwei Buchstaben, die auf den neuen Tafeln neben den Zahlen auftauchen, sorgt zuweilen für Ärger bei so manchem Fahrzeugbesitzer: Wenn man auf dem Auto die Bezeichnung "WC" oder "VO" (Ochse) trägt, kann dies für den stolzen Besitzer kaum lustig sein.
Personalausweis darf bis 2016 verwendet werden
Die blauen Pässe wurden in den 1990er Jahren eingeführt und wurden auch nicht geändert, als das Land im Jahr 2003 in den Staatenbund Serbien-Montenegro umbenannt wurde. Im Juni 2006 wurde der gemeinsame Staat aufgelöst, Belgrad hielt an den alten Pässen fest, auch wenn inzwischen auch die Ausstellung von serbischen Reisedokumenten begann. Bis dato wurden rund 4,8 Millionen Pässe ausgestellt. Beim Durchschnittslohn von 400 Euro dürfte allerdings nur ein Bruchteil der stolzen Passbesitzer wirklich auch die Möglichkeit haben, eine Auslandsreise zu unternehmen. Seit Ende 2009 dürfen die Bürger Serbiens visumfrei in die EU-Staaten reisen.
Wer glaubt, dass die SFRJ in Serbien nun endgültig Geschichte ist, irrt. Bis 2016 darf man weiterhin den im ehemaligen Jugoslawien ausgestellten Personalausweis verwenden. Er lautet auf die SFRJ bzw. auf die Sozialistische Republik Serbien. (APA)