Adelaide - Vor 20.000 Jahren hielt die Würm-Kaltzeit die Nordhalbkugel noch fest im Griff. Trotz der extrem niedrigen Temperaturen während dieser eiszeitlichen Phase war Sibirien damals keineswegs ein lebensfeindlicher Ort. Das bestätigen verschiedene Fossilienanalysen, die Forscher auf einer Konferenz im australischen Adelaide präsentierten.

Einer der Fossilien-Fundorte liegt auf der Tschuktschen-Halbinsel im äußersten Nordosten Sibiriens. Hier widmete sich Eva Bellemain von der Universität Oslo vor allem Pilzfossilien, wie der "New Scientist" berichtet. Mit 40 verschiedenen Pilzspezies konnte Bellemain eine größere Artenvielfalt aus den Permafrost-Proben entnehmen, als sie erwartet hatte. Da sich die Pilze von pflanzlichem Material ernährt haben müssen, lassen diese Fossilien Rückschlüsse auf die damalige Flora zu. Und dies - zusammen mit fossilierten Pollen - zeigt, dass die Region eine ausreichende Pflanzendecke aufwies, um Tiere wie Elche, Wollnashörner oder Wollhaarmammuts zu ernähren: Spezies, die aus anderen Regionen durch das Vorrücken der Gletscher verdrängt worden waren.

Dieses östliche Refugium war aber nicht das einzige: James Haile von der Murdoch University in Perth und Tina Jørgensen von der Universität Kopenhagen analysierten DNA-Proben aus dem Norden Sibiriens. An fünf Punkten rund um den Taimyrsee führten sie Bohrungen durch und stießen dabei auf die Überreste von 66 verschiedenen Pflanzenarten. Auch hier hatte sich ein Ökosystem den extremen Temperaturschwankungen im Zeitraum vor 46.000 bis 12.000 Jahren überraschend erfolgreich widersetzt. Als nächsten Schritt wollen die Forscher Vergleichsmaterial aus Alaska und Kanada analysieren, um herauszufinden, wie die dortige Fauna und Flora mit den Klimaveränderungen zurechtkam. (red)