Wien - Der ORF-Stiftungsrat hat im Mai 2011 einstimmig eine Resolution zur Gleichstellung von Männern und Frauen beschlossen. In dieser Resolution appellierten die Stiftungsräte an den Generaldirektor Alexander Wrabetz, bei Bestellungsvorschlägen auf ein ausgewogenes Geschlechterverhältnis zu achten. Bei der Bestellung von Niko Pelinka wurde diese Resolution scheinbar ignoriert. Anstelle dem Gleichstellungsauftrag nachzukommen, hat Wrabetz bereits vor Weihnachten alle wichtigen Posten der höheren Ränge an Männer vergeben. Der Großteil der zu vergebenden ChefInnen-Posten der nächsten Jahre, ist somit mit Männern besetzt, empört sich der Österreichische Frauenring (ÖFR) per Aussendung über die ORF-Personalpolitik.

Der ÖFR zeigt sich von diesen Entwicklungen befremdet. Sie stellen sich die Frage, welchen Stellenwert eine Resolution des Stiftungsrates im ORF hat, was ein ORF-Gesetz das einen 45-prozentigen Frauenanteil festlegt und was eine Betriebsvereinbarung wert sind, wenn sie vom Generaldirektor "völlig ignoriert wird".

Der Stiftungsrat forderte die Erstellung eines Gleichstellungsplans um die gesetzlich festgelegte Frauenquote ernsthaft in Angriff zu nehmen. Da bei der jetzigen Postenvergabe keine Rücksicht auf die geforderte Frauenquote genommen wurde, kann dieser Gleichstellungsplan in den nächsten Jahren jedoch gar nicht zu tragen kommen.

"Gleichstellungsplan als Beschäftigungstherapie"

"Das ist ungeheuerlich ignorant! Die Erarbeitung des Gleichstellungsplans kommt unter diesen Umständen einer Beschäftigungstherapie gleich", entrüstet sich die Vorsitzende des ÖFR Christa Pölzlbauer via Aussendung. Der ÖFR gibt außerdem zu bedenken, dass bei Personalbesetzungen somit nicht nur die "parteipolitische Verbeugung von Wrabetz bedenklich" ist. Besonders die Tatsache, dass die Gleichstellungs-Resolution des Stiftungsrates bei der Vergabe der Posten nicht bedacht wurde, ist nach Ansicht der Organisation empörend.

Der ÖFR als Dachverband österreichischer Frauenvereine fordert deshalb ein grundsätzliches Umdenken bei der Postenvergabe im ORF. Nicht die Parteiquote sondern Qualität soll bei der Besetzung der ChefInnen-Etage Priorität haben. "Eine Frauenquote ist vor allem auch eine Qualitätsquote. Partei- und Freunderlwirtschaft jedoch kann dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk nicht gerecht werden", so Pölzbauer. (red)