Linz - In Oberösterreich bekommen von schweren Schicksalsschlägen Betroffene eine kostenlose psychosoziale Hilfe angeboten. Der Präsident des Roten Kreuzes Oberösterreich, Walter Aichinger, und der Vorstandsvorsitzende der Nonprofit-Gesellschaft für psychische und soziale Gesundheit "pro mente", Werner Schöny, berichteten in einer Pressekonferenz am Freitag in Linz, dass eine entsprechende Kooperation nun besiegelt worden sei. Das Angebot der beiden Organisationen ist nach eigenen Angaben in dieser Art in Österreich einzigartig.

Wenn Menschen nach einem Unfall, einer schweren Erkrankung oder dem Tod einer nahen Bezugsperson an die Grenzen ihrer psychischen Belastbarkeit geraten, leisten eigens dafür ausgebildete Kriseninterventionsteams (KIT) des Roten Kreuzes psychosoziale Erste Hilfe. Alarmiert werden sie von den Mitarbeitern des Rettungs- und Krankentransportes beziehungsweise des Notarztdienstes oder anderen Einsatzorganisationen. Sie betreuen die Betroffenen allerdings nur in den ersten drei Stunden.

Längerfristige Hilfe

Ist danach noch weitere Unterstützung erforderlich, dann wird an den psychosozialen Notdienst von "pro mente" übergeben. Dessen Fachkräfte betreuen noch bis zu acht Wochen nach dem Ereignis. Bei weiterem Bedarf vermitteln sie an einen kostenlosen Platz für eine Traumatherapie. Das System steht nicht nur der Bevölkerung zur Verfügung, sondern auch den Helfern nach belastenden Einsätzen.

"Beide Organisationen getrennt würden es nicht schaffen, eine flächendeckende Betreuung anbieten zu können", begründet Aichinger die Kooperation. Es handle sich um ein verzahntes System, das obendrein eine Ressourcenökonomie bewirke. Die über 787 KIT-Einsätze im vergangenen Jahr galten zu 40 Prozent der Betreuung nach Todesfällen, gefolgt von 17 Prozent Begleitung bei der Überbringung von Todesnachrichten und 14 Prozent Betreuung nach einem Selbstmord. Der psychosoziale Notdienst kam in 280 Fällen zum Einsatz. (APA)