Wien - "Sport ist Abbild und gleichzeitig Mikrokosmos unserer Gesellschaft", belehrt das von Norbert Darabos (SP) geleitete, einschlägige Ministerium auf seiner Homepage. Eine verwandte Weisheit, nämlich, dass die Sportförderung ein Abbild der politischen Strukturen Österreichs ist, muss man sich dazudenken. Die Mittel, die dem Sport Jahr für Jahr zugemessen werden, gehen daher deutlich über jene rund 125 Millionen Euro hinaus, die unter Allgemeiner und Besonderer Bundessportförderung firmieren.

Abgesehen von den ebenfalls aus Bundesmitteln gespeisten Spielern namens Ministerium für Landesverteidigung (Heeressport) und Ministerium für Inneres (Polizei, Zollwache), deren spezifischer Aufwand sich auch wegen des interpretierbaren Titels Sachleistungen nur schwer festmachen lässt, wird in den Ländern bis hinunter in die kleinste Gemeinde munter gefördert. Sport ist ja Landessache.

Dingfest machen lassen sich diese Geldflüsse meist nur bei größeren Infrastrukturmaßnahmen. Etwa wenn die Stadt Wien über Jahre verteilt zig Millionen in die Spielstätten der Fußballklubs Rapid und der Austria oder des Eishockeyklubs Vienna Capitals investiert und das mit Begriffen wie Umwegrentabilität, Jugendarbeit und Gesundheitsvorsorge argumentiert. Schwer bis nicht nachvollziehbar sind dagegen andere Zuwendungen, die Länder und Gemeinden Vereinen oder auch nur verdienten Helden des Orts gewähren.

Verschlungen ist der Weg, den die einst sogenannten Lotto/Toto-Mittel, die derzeit 80 Millionen der Besonderen Bundessportförderung gemäß Bundessportförderungsgesetz gehen. Beteilt werden zunächst der Behindertensportverband, das Paralympische Komitee, die Special Olympics Österreich, die Bundessportorganisation (BSO), der Verband alpiner Vereine, das nationale Olympische Komitee (ÖOC) und die Anti-Doping-Agentur (Nada).

Über die BSO werden die 68 Fachverbände alimentiert, die von sehr einfach bis sehr komplex strukturiert sind, wobei sich der Fußballbund (ÖFB) und der Skiverband (ÖSV) als die größten Player das meiste Geld selbst vom Markt holen. Der Breitensport obliegt den ebenfalls bedachten Fachverbänden ASKÖ (SP-nahe), ASVÖ und Union (VP-nahe).

Ergänzend wirkt die Allgemeine Sportförderung (45 Millionen), die für Projekte und Schwerpunktsetzungen nach Bewilligung im Sportministerium zur Auszahlung kommt.

Die seit Jahrzehnten sprichwörtliche Fördergießkanne gegen ein leistungsbezogenes, transparentes (mit Datenbank) und gegen Missbrauch (ÖOC-Skandal) gerichtetes System einzutauschen hat sich nicht erst Minister Darabos vorgenommen. Er strebt die Einführung eines dualen Systems mit einer Basisförderung für Infrastruktur-, Overhead- und Personalkosten der Verbände sowie einer weit höheren projektbezogenen Förderung an. Das nötige Gesetz soll bis zur Sommerpause das Parlament passiert haben. (Sigi Lützow, DER STANDARD Printausgabe 16.01.2012)