Graz - Viktor Bodó, ungarischer Theaterwilderer, hat sich am Grazer Schauspielhaus über Shakespeares Ein Sommernachtstraum hergemacht. Nicht so magisch wie etwa über Alice im Wunderland, nicht so poetisch wie über Handkes Die Stunde, da wir nichts voneinander wussten, doch frech, hochamüsant und gescheit.

Es beginnt in einer Werkstatt. Die Handwerker, die nächtens im Wald "Pyramus und Thisbe" proben werden, sind bei Bodó Rahmenhandlung und Mittelpunkt. Gastarbeiter aus dem Osten stellen sich in der Werkstatt vor. Im Radio läuft ein Beitrag über Ungarn, wo auch der Szputnyik Shipping Company aus Budapest (Bodós Truppe) Subventionen gestrichen worden seien. "Das ist doch nicht unser Problem", meint der österreichische Arbeiter (Franz Solar). Es ist Premierentag, Samstag, ein Tag nachdem Österreich sein Triple-A abhanden kam.

Per Fax erfahren die Handwerker, dass sie für den Bürgermeister auch noch Theater spielen sollen. Dieser wird von Jan Thümer gespielt, der auch Theseus, den Herzog von Athen, den Feenkönig Oberon - und Jan Thümer selbst herrlich trocken gibt. Letzteren als einen Schauspieler, der keine eigene Garderobe am Haus hat, dafür aber zwei Kleinkinder mit Brechdurchfall, wegen derer er unter Schlafmangel leidet.

Bodó lässt die Schauspieler immer wieder aus ihren Rollen treten und zeigt, dass er meint, was er den leidenschaftlich ins Theater verliebten Handwerker Klaus Zettel (Sebastian Reiß) sagen lässt: dass Ein Sommernachtstraum das schlechteste Stück Shakespeares ist. Was ihn nicht hindert, einen guten Abend daraus zu zimmern.

Zauberwald und Werkstatt liegen in einem gekippten Innenhof, der das Publikum die Perspektive des auf dem Boden Liegenden einnehmen lässt (Bühne: Pascal Raich). Die Bäume, zwischen denen Oberon wie ein Nosferatu mit dem irren Puck (Thomas Frank) erscheint, sind dichte Reihen von Wäscheleinen. Aus ihnen baut Titania (Kata Petõ) ihre Liebesfalle.

Titania, die einem echten Esel verfällt, zeigt am besten, worunter die wirr liebenden Figuren leiden: unter einer hormonell bedingten Bewusstseinseinengung. Völlig von der Rolle laufen auch die Pärchen Lysander (Simon Käser) und Hermia (Pia Luise Händler) sowie Demetrius (Florian Köhler) und Helena (Katharina Klar) umher. Ihr Tempo ist rasant, ihr Unterhaltungswert hoch. Am Ende gibt es glückliche Paare, eine Aufführung von "Pyramus und Thisbe", die dank Sebastian Reiß und Péter Jankovics zum komödiantischen Höhepunkt wird, und ein glückliche Publikum.  (Colette M. Schmidt/DER STANDARD, Printausgabe, 16. 1. 2012)