Wien - Der Kärntner Hypo-Untersuchungsausschuss kommt beim Thema Investorengruppe Berlin zu interessanten Schlüssen. Die Gruppe stieg ab Ende 2006 bei der Bank (HGAA) ein und hat beim Weiterverkauf ihrer Anteile an die BayernLB im Mai darauf den goldenen Schnitt gemacht. Die Frage, wann Tilo Berlin (ab Juni 2007 Hypo-Chef) vom Kaufinteresse und Preisvorstellung der Bayern wusste, ist daher eine zentrale.

Laut dem unveröffentlichten Berichtsentwurf des U-Ausschusses "stieg Berlin erst ein, nachdem ihm bekannt war, dass bei der BayernLB ein konkretes Interesse an der HGAA geweckt war. Sein Risiko bzw. das seiner Anleger war vertraglich begrenzt." Aus diversen Einvernahmen vor der Staatsanwaltschaft erschließt sich, dass Berlin jedenfalls früh und oft Kontakt zur BayernLB hatte. Und dass das Land Kärnten ihn (und nicht etwa Berater Dietrich Birnbacher) zum Verhandlungsführer für den Verkauf auserkoren hatte.

So traf Berlin am 5. Mai 2006 BayernLB-Chef Werner Schmidt. Der wollte laut seiner Aussage vor dem Staatsanwalt Karl-Heinz Grasser für einen Vortrag gewinnen, konnte ihn aber "schwer erreichen, also wandte ich mich an Dr. Berlin". Anfang Juli traf man einander erneut, diesmal, ging es laut Schmidt um das "Geschäft mit vermögenden Privatkunden, die Vermögensverwalter Berlin beraten wollte". Am 23. August lud Berlin den Banker brieflich zu einem Mittagessen für den 31. August auf sein Anwesen "Klockerhube" am Ulrichsberg, bei dem es um die Hypo gehen sollte. Berlin schrieb dem Bayernbanker von Veränderungen in der Hypo, die "in der Bewertung möglicherweise günstiger geworden sei" und schickte gleich die Kurzfassung eines Business Planes mit.

Lunch zur Appetitanregung

Das Mittagessen fand statt, Schmidt traf zudem Hypo-Aufsichtsrat Wolfgang Kulterer. Er und Berlin machten ihm die Hypo schmackhaft, die in Südosteuropa besser aufgestellt sei als die Bawag. Zur Erinnerung: Die Bayern boten damals für die Bawag, die aber am 14. Dezember 2006 Cerberus zugeschlagen wurde. So viel wusste Schmidt allerdings schon im August: An einer Sperrminorität (25 Prozent plus eine Aktie) war er "nicht interessiert"; man sprach über die "unternehmerische Führerschaft", sagte er aus.

Am 14. Dezember - die Bawag war für die Bayern perdu, die Gruppe Berlin hielt wenig später knapp zehn Prozent der Hypo - gingen Kulterer und Berlin in die Offensive. Sie "riefen Schmidt an, um das Interesse des Bayern-Vorstands zu wecken, was auch gelungen ist", wie es im Berichtsentwurf heißt. Am 15. Dezember gab es bei den Bayern die erste Sondervorstandssitzung zum Thema Hypo, drei Tage später forderte Schmidt Unterlagen von Berlin an, Ende Jänner hatte dessen Gruppe die Hypo-Sperrminorität. Am 22. Mai stand der Verkauf an die Bayern.

Schlussfolgerung des U-Ausschusses: "Die Chronologie, wie sie sich aufgrund der neuen Beweise darstellt, lässt die Möglichkeit offen, dass Dr. Berlin mit einem Verkauf der von Berlin & Co. Capital S.a.r.l. erworbenen Hypo-Anteile rechnen konnte." der Standard betont, dass Berlin solche Darstellungen bestreitet. (gra, DER STANDARD, Printausgabe, 17.1.2012)