Tokio/Frankfurt - Der japanische Pharmakonzern Takeda streicht in Deutschland 1.200 Stellen. Damit ist die größte Volkswirtschaft der Euro-Zone besonders stark von den Kürzungen beim japanischen Branchenprimus betroffen. Der Forschungsbetrieb in Konstanz wird komplett eingestellt, wie das Unternehmen am Mittwoch mitteilte. Weltweit fallen im Zuge der Integration des übernommenen Arzneimittelherstellers Nycomed 2.800 Stellen weg. Das sind rund zehn Prozent aller Arbeitsplätze. Man wolle Überlappungen und Doppelfunktionen vermeiden, begründete Takeda das Ansetzen des Rotstifts. Der Arbeitsplatzabbau soll bis Ende März 2016 abgeschlossen sein. Umgerechnet rund 2,03 Mrd. Euro könnten durch den Schritt eingespart werden, hieß es. Takeda hatte im vergangenen Jahr den Schweizer Arzneimittelhersteller Nycomed für rund 9,6 Mrd. Euro übernommen. Es war der bisher größte Zukauf in der Firmengeschichte.

Mit Nycomed hatte Takeda seine Position in Europa und in den Schwellenländern kräftig ausgebaut. Zwar seien die kombinierten Geschäfte in mehr als 70 Ländern mehr komplementär als überlappend, erklärte Takeda-Chef Yasuchika Hasegawa. "Es gibt aber mehrere Regionen, wo wir Veränderungen vornehmen müssen, um künftig effiziente und flexible Operationen sicher zu stellen." Von den weltweit 2.800 zu streichenden Stellen sind 2100 Arbeitsplätze hauptsächlich in Europa betroffen, 700 sollen in den USA wegfallen. Der Stellenabbau werde den Konzerngewinn im laufenden Geschäftsjahr bis Ende März mit umgerechnet 356 Mio. Euro belasten, kündigte Takeda an. Einen neuen Gewinnausblick will das Unternehmen am 1. Februar veröffentlichen.

Takeda steht auf dem Heimatmarkt unter anderem mit Astellas Pharma, Otsuka Holdings und Daiichi Sankyo in scharfem Wettbewerb. Der starke Yen und die hohen Kosten durch die Nycomed-Übernahme setzen dem Unternehmen zudem derzeit im Ausland zu. Im November hatte Takeda seine Erwartungen für den operativen Gewinn im aktuellen Geschäftsjahr um 31 Prozent gesenkt.

Deutschland ist von den Umbauplänen besonders stark betroffen. So soll die Forschung und Entwicklung in Konstanz ganz geschlossen werden. Der Sitz der Vertriebsorganisation soll nach Berlin verlagert und auch die Verwaltung in Konstanz umgebaut werden. Dadurch würden in der Stadt am Bodensee rund 700 Arbeitsplätze wegfallen. Für Konstanz ist das besonders bitter, denn als vor einigen Jahren Nycomed die ehemalige Pharmasparte von Altana übernommen hatte, waren bereits viele Stellen gestrichen worden. Künftig soll Takeda in Konstanz nur noch 150 Beschäftigte haben.

Den Standort Aachen will Takeda aufgeben. Für das Werk Willinghusen, wo Tierversuche und vorklinische Forschung betrieben wird, sucht Takeda nach einem Käufer. Aktuell hat Takeda dort 100 Beschäftigte. Rund 400 Stellen sollen im Außendienst von Takeda und Nycomed in Deutschland gestrichen werden. Laut einem Sprecher führe das Unternehmen bereits Gespräche mit den Arbeitnehmervertretern. Weitgehend nicht betroffen vom Umbau sind die Produktionsstätten des Konzerns in Singen und in Oranienburg. Aktuell hat Takeda in Deutschland rund 3.000 Beschäftigte. (APA)