Wien - Nick Neururer ist dieser Tage auf Reise. Der Spielervermittler gilt als Experte für die afrikanische Fußball-Szene. Als ebensolcher steht natürlich auch der am Samstag startende 28. African Cup of Nations im Terminkalender des Tirolers dick angestrichen. Als international anerkannter Scout mit knapp 30-jähriger Erfahrung am Kontinent stellt Neururer der Entwicklung des Afrika-Cups dabei eine gute Note aus.

"Die Stadien sind hochmodern geworden, internationaler Topstandard. Das war vor 20 Jahren bei weitem nicht so. Früher wurde auf Plätzen gespielt, wo man sich schwergetan hat, Rasen zu sagen", erteilte Neururer einem gängigen Klischee eine Abfuhr. Auch auf dem Platz sei die Qualität, bedingt durch die vielen in Europa engagierten Legionäre, größer geworden.

"Maßstäbe sind die WM und EM. Da ist man immer näher gekommen, das Spielniveau ist hoch", sagte Neururer, der aber auch einschränkte: "Bei 16 qualifizierten Mannschaften sind immer wieder schwächere Teams dabei. Manche überraschen positiv, aber es gibt auch welche, die abfallen." Gerade diese Underdogs seien für einen Vermittler aber besonders interessant.

Während Teams wie Favorit Elfenbeinküste oder Ghana auf gestandene Legionäre vertrauen, seien bei Auswahlen wie Gastgeber Äquatorialguinea, Botswana oder Niger vielleicht noch unentdeckte Talente zu beobachten. "Man sieht oft Spieler bei kleineren Nationen, die man nach Europa holen könnte. Bei der Elfenbeinküste ist das sicher nicht mehr der Fall", erklärte Neururer, der laut eigener Aussage für Clubs aus Deutschland, England aber auch Österreich spioniert.

Die heimische Bundesliga ist im Kontinentalturnier in Äquatorialguinea und Gabun trotzdem einzig durch Admira-Stürmer Issiaka Ouedraogo, einem Klienten von Neururer, präsent. Insgesamt finden sich in der Bundesliga nur wenige Afrikaner. Neben Ouedraogo und seinem im Herbst großteils verletzten Teamkollegen Patrick Mevoungou (Kamerun) fällt noch Salzburgs ugandischer Verteidiger Ibrahim Sekagya auf. Für Neururer ist dies leicht erklärbar.

"Afrikanische Spieler wollen in große europäische Ligen, nicht nach Österreich. Sie wollen großen Fußball, wie sie ihn im Fernsehen sehen, spielen. Auch hat Österreich keine Tradition auf dem afrikanischen Spielermarkt. Das hat auch damit zu tun, dass wir nie Kolonialmacht waren. Es gibt keine historischen Verbindungen nach Afrika, anders als bei Holland oder Belgien", meinte Neururer, der auch die soziale Komponente nicht unerwähnt ließ: "Wenn Spieler nach Österreich kommen, ist es schwerer, sie zu betreuen und zu etablieren. Sie brauchen eine längere Integrationszeit." Als Beispiel gelte da auch Ouedraogo.

Seit vier Jahren weilt der nun 23-Jährige in der Alpenrepublik. Nach Stationen in Salzburg und Grödig gelang ihm erst diese Saison beim Aufsteiger der Durchbruch, der ihn auch für Burkina Fasos portugiesischen Teamchef Paulo Duarte interessant machte. Um seine Einsatzminuten wird Ouedraogo aber kämpfen müssen. "Er ist in Burkina Faso eine fast unbekannte Größe, seine Konkurrenten sind dort Superstars. Aber es ist immer gut, eine Teilnahme am Afrika-Cup auf seiner Visitenkarte stehen zu haben", sagte Neururer, der die Westafrikaner als gefährliche Außenseiter einstufte. Favorit auf den Turniersieg sei die Elfenbeinküste.

Die 28. Ausgabe des Turniers bezeichnete Neururer aufgrund der Austragungsländer Äquatorialguinea und Gabun als interessant und herausfordernd zugleich. Die Lage sei exotisch, die Visa-Bestimmungen sowie die Verkehrslage schwierig. "Bei meinem ersten Afrika-Cup in Ägypten 1986 habe ich mir als Newcomer schwergetan. Aber reisetechnisch gesehen war es besser. Diesmal wird in vier Städten in zwei Ländern gespielt. Möglichst viele Spiele zu sehen wird da aufwendig." (APA)