Wien - Die Österreichische HochschülerInnenschaft (ÖH) wirft der ÖVP vor, die geplante gemeinsame Ausbildung für alle Pädagogen zu blockieren. Schon seit vergangenem Sommer habe es kein gemeinsames Vorgehen von Wissenschaftsminister Karlheinz Töchterle, der für die Unis zuständig ist, und Unterrichtsministerin Claudia Schmied (SPÖ), bei der die Pädagogischen Hochschulen (PH) ressortieren, gegeben. Hintergrund der Blockade aus Sicht der ÖH: Innerhalb der ÖVP werde versucht, eine Aufwertung der PH zu verhindern, kritisiert Tobias Dörler vom pädagogischen Referat der ÖH.

Nur kostenpflichtige Masterstudien

Während Schmied im vergangenen Oktober immerhin noch ein Reformpaket für die PH präsentiert habe, steht das Wissenschaftsministerium aus Dörlers Sicht nur auf der Bremse. So sperrt sich Töchterle gegen den Plan der Unterrichtsministerin, dass neben den Unis auch PH öffentlich-rechtliche Masterstudien anbieten dürfen. Geplant war dies bereits bei der Umwandlung der Pädagogischen Akademien in PH 2005, sei aber von der ÖVP verhindert worden. Die Folge: Derzeit dürfen die PH nur kostenpflichtige Weiterbildungsmaster anbieten. Wenn jedoch der reguläre Master an den PH verhindert werde, werde auch etwa die dringend nötige Ausbildung von Mentoren blockiert, die künftig alle Neo-Lehrer in den Beruf einführen sollen, so Dörler.

Eine entsprechende Gesetzesänderung sei ursprünglich für Ende 2011 geplant gewesen, dann aber auf Frühjahr 2012 verschoben worden. Diese sei aber Voraussetzung dafür, dass wie geplant der erste Jahrgang der neuen Lehrer-Ausbildung noch in dieser Legislaturperiode starten kann. "Dieses Ziel rückt in weite Ferne, wenn nicht bald ein koordiniertes Vorgehen der Ministerien erfolgt", warnt der Bildungsreferent.

Entwicklungsrat

Dörler kritisiert auch, dass Töchterle noch immer keine Vertreter seines Ressorts in jenen Entwicklungsrat entsendet hat, den Schmied für die PH bereits eingerichtet hat und der laut Plan der von Unterrichts- und Wissenschaftsressort eingesetzten Vorbereitungsgruppe ursprünglich eine engere Zusammenarbeit zwischen Unis und PH vorantreiben sollte. Im Wissenschaftsministerium wird das bestritten, man habe bereits einen Vertreter nominiert, heißt es. Das wurde auch im Unterrichtsministerium bestätigt.

Autonomie als Ausrede

Dass der Wissenschaftsminister sich bei seinem Vorgehen in Sachen Lehrer-Ausbildung auf die Autonomie der Unis beruft, die nun selbstständig Kooperationen eingehen sollen, ist für Dörler eine Ausrede. Die Institutionen würden sich klare Signale des Ministeriums erwarten, bevor sie loslegen. Gerade im Großraum Wien gebe es noch keine Kooperationsgespräche und das bremse wiederum den österreichweiten Prozess.

ÖH will Überführung in universitäre Struktur

An diesem stört die ÖH generell, dass die künftigen Einrichtungen für die Lehrer-Ausbildung in einem "Beauty Contest" (Zitat Schmied) entschieden werden sollen. Eine Umstellung sei nicht von heute auf morgen möglich, doch mit der derzeitigen Methode werde die Institutionenfrage nur um zehn bis 15 Jahre hinausgezögert. "Es muss eine ganz klare politische Entscheidung da sein, wohin wir wollen", fordert Dörler. Ginge es nach der ÖH, sollen die positiven Elemente der PH in eine universitäre Struktur überführt werden. An den Unis selbst müsse dann aber auch umstrukturiert und etwa eigene Fakultäten für die Lehrer-Ausbildung geschaffen werden.

Im Streit darum, wie viel Autonomie die Ausbildungseinrichtungen künftig bei der Lehrerausbildung bekommen sollen, plädiert Dörler für Steuerungsmöglichkeiten seitens der Politik. Die Unis müssten zusätzliche Mittel erhalten, wenn das Unterrichtsministerium fordert, dass mehr Leute zum Lehrer ausgebildet werden.

Töchterle: Vorwurf geht ins Leere

Aus Sicht des Wissenschaftsministeriums geht der Vorwurf der ÖH ins Leere. Im Büro von Wissenschaftsminister Karlheinz Töchterle verweist man auf laufende Vorarbeiten. Derzeit würden die von den autonomen Unis erarbeiteten Konzepte für eine engere Zusammenarbeit mit den Pädagogischen Hochschulen (PH) gebündelt, die auch "als wesentlicher Baustein der zukünftigen Neuaufstellung" der Lehrer-Ausbildung berücksichtigt werden sollen. Das Ministerium verweist etwa auf das Modell einer "School of Education" der Unis Innsbruck und Salzburg sowie Kooperationsmodelle mit PH in Graz und Klagenfurt. (APA)