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Vor allem Migrantinnen sind oft in schlecht bezahlten, unsicheren Jobs tätig.

Foto: AP Photo/Daniel Roland

Wien - Migranten und Migrantinnen werden häufiger arbeitslos, arbeiten öfter unter ihrer Qualifikation und werden schlechter bezahlt: Was Arbeitsmarktforscher schon lange sagen, wurde nun durch eine umfangreiche Erhebung im Auftrag der Arbeiterkammer Wien belegt.

Überqualifiziert

Ein Drittel der Migranten ist für den Job überqualifiziert: Von den 2001 befragten Wienern mit Migrationshintergrund gaben 33 Prozent an, dass ihre berufliche Tätigkeit unterhalb ihres Ausbildungsniveaus angesiedelt sei - nur elf Prozent der Nichtmigranten trafen diese Aussage. Auch Zugewanderte, die einen österreichischen Abschluss vorweisen können, sind viel häufiger unter ihren Fähigkeiten beschäftigt als Nichtmigranten mit heimischem Zeugnis.

Auffallend hoch sind auch die Einkommensunterschiede je nach Herkunft: Jeder fünfte Nichtmigrant verdient weniger als 1400 Euro netto im Monat - und jeder zweite Migrant.

Öfter arbeitslos

Auch das weit höhere Risiko der Arbeitslosigkeit bei Migranten sticht ins Auge - und zwar unabhängig vom Ausbildungsgrad. Auf die Frage "Waren Sie seit dem Jahr 2000 einmal arbeitslos?" antworteten 19 Prozent der befragten Österreicher mit Pflichtschulabschluss mit Ja - bei den Pflichtschulabsolventen mit Migrationshintergrund waren es 55 Prozent. Ähnlich groß ist die Kluft bei Menschen mit Lehre oder Mittelschulabschluss, aber auch bei Akademikern. Acht Prozent der Nichtmigranten mit Uni-Abschluss waren in den letzten zwölf Jahren arbeitslos - und 25 Prozent der Migranten.

Das Ausbildungsniveau der Migranten variiert sehr stark: So gibt es unter Zugewanderten aus Russland, der Ukraine und dem Iran, aber auch bei Asylsuchenden im Allgemeinen einen überdurchschnittlich hohen Anteil an Akademikern. Bei Zugewanderten aus dem ehemaligen Jugoslawien und aus Albanien findet sich ein vergleichsweise hoher Anteil an Absolventen einer mittleren Schule oder einer Lehre - 55 Prozent der Männer aus dieser Gruppe verfügen über einen solchen Abschluss, bei den Männern aus der Türkei sind es nur 26 Prozent. Hier fällt wiederum der hohe Pflichtschulabsolventen-Anteil auf: 46 Prozent der Migranten und 50 Prozent der Migranten aus der Türkei haben nur eine Basisausbildung vorzuweisen. 

Je "frischer" im Land, desto gebildeter

Doch hier sei vieles im Wandel, sagen die Autoren. "Je kürzlicher zugewandert, desto höher ist das Bildungsniveau", sagt Studien-Mitautorin Susanne Schelepa. Das gelte insbesonders für Migranten aus der Türkei.

Probleme zeigen sich weiterhin bei der Anerkennung der Zeugnisse: Zwar verfügen 75 Prozent der Befragten über keinen österreichischen Abschluss, doch haben nur 17 Prozent von ihnen eine Nostrifizierung, also eine Anerkennung ihrer ausländischen Qualifikation, beantragt. Die angegebenen Gründe laut Schelepa: "Zu langwierig, zu teuer und für die Ausübung meiner Tätigkeit nicht unbedingt notwendig."

Aus der Studie ergibt sich zudem eine relativ starke Segregation auf dem Arbeitsmarkt: Bei einem Viertel der befragten Migranten sind beinahe alle Kollegen Migranten. Bei den Nichtmigranten wiederum komme es häufiger vor, dass kein Kollege Migrationshintergrund hat.

Für die von der L&R Sozialforschung erstellte, 900 Seiten starke Studie wurden 2306 unselbstständig Beschäftigte aus Wien, deren letzte Beschäftigung nicht länger als ein halbes Jahr zurücklag, befragt. (mas, derStandard.at, 24.1.2012)