"Ich halte es für völlig unwichtig, wer abstimmt und für wen. Äußerst wichtig hingegen ist, wer die Stimmen auszählt - und wie." Dieses Stalin zugeschriebene Zitat scheint auch bei den russischen Parlamentswahl im Dezember Geltung gehabt zu haben. Zwar hat Putins Partei "Einiges Russland" die Zweidrittelmehrheit eingebüßt, sie blieb aber dennoch in Besitz der absoluten Mehrheit. Schnell machte der Verdacht die Runde, dass es zu Wahlbetrug gekommen sein dürfte. Doch wie kann man den beweisen?

Wiener Komplexitätsforscher aus dem Team von Stefan Thurner (MedUni Wien) schlagen nun in einem vorläufig nur am Preprint-Server arXiv veröffentlichen Aufsatz eine neue statistische Methode vor, die im wesentlichen auf Ausreißer bei der Stimmabgabe und im Stimmverhalten von einzelnen Wahlbezirken abstellt - und diese extremen Ausreißer auch grafisch hervorhebt.

Thurner und sein Team verglichen mit dieser Methode rezente Urnengänge unter anderem in Österreich, Großbritannien, der Schweiz, Finnland, Uganda und Russland. Wie die statistischen Auswertungen nahelegen, dürfte es in Russland und Uganda tatsächlich äußerst wichtig gewesen sein, wer die Stimmen auszählte - und wie. (tasch/DER STANDARD, Printausgabe, 25.01.2012)