Kränkungen, Verletzungen, Ungerechtigkeiten sind Riesenthema in der Arbeitswelt. All das passiert auch ständig. Interessanterweise gibt es dabei immer mehr Opfer als Täter in der Selbstwahrnehmung.

Es hat sich eine große Vermeidungskultur in Schaum & Watte breitgemacht, eine dichte Atmosphäre positiver Formulierungen, kein "Feedback" (so hat Kritik zu heißen) darf in irgendeiner Form wehtun. Erlaubt sind nur warme Duschen. Möglichst alles, so wird erwartet, soll so umgeformt werden, dass es der Convenience genügt. Auf allen Ebenen. Vom Angeschnallt-Bleiben im Flugzeug bis zum Beitrag für den Umweltschutz: Erde retten? Sicher - aber nur in angenehmer Duschtemperatur. Probleme diskutieren? Sicher - aber nur im Chancensprech. Belegschaft aussortieren? Sicher - aber nur als Rightsizing. Sonst klingt es auch unkomfortabel oder verletzend.

Diese Illusion der unendlichen Convenience wird in allen Bereichen eifrig bedient. Was würde nur geschehen, wenn man zwecks Abhärtung und pro Realitätsblick weniger Warmduschen vorschlagen würde: Die Empörung wäre grenzenlos. Der Gewinn an Klarheit aber beträchtlich. (Karin Bauer/DER STANDARD; Printausgabe, 28./29.1.2012)