Grafik: Kubuntu

Das Verhältnis zwischen dem Softwarehersteller Canonical und dem Linux-Desktop KDE ist ein - freundlich formuliert - "kompliziertes". Während man für Ubuntu von Anfang an auf eine GNOME-Basis setzte, war es vor allem Canonical-Gründer Mark Shuttleworth selbst, der gerne eine gewisse Affinität zu KDE kundtat - und auch schon mal öffentlichkeitswirksam mit KDE-T-Shirt auf Konferenzen posierte.

Vorgeschichte

Die daraus resultierenden Hoffnungen der KDE-Community, dass sich Canonical mit der Zeit stärker auf KDE konzentrieren würde, wollten sich aber nicht so recht materialisieren. Zwar stellte Canonical mit Jonathan Riddell einen Vollzeitentwickler für Kubuntu ab, im Vergleich zum GNOME-basierten Ubuntu blieb die KDE-Variante aber trotzdem ein Stiefkind. Ein Umstand, der gerade Shuttleworth auch immer wieder mehr oder weniger offen vorgetragene Kritik von KDE-Seite einbrachte. Immerhin hätte Shuttleworth mit seinen Wortmeldungen keine falsche Erwartungen wecken sollen, so die Argumentation.

Schlussstrich

Nun gehört diese Diskussion aber der Vergangenheit an, zieht Canonical doch jetzt einen klaren Schlussstrich unter diese Episode. Wie Jonathan Riddell in einem Blog-Eintrag verlautbart, wird er künftig andere Entwicklungsaufgaben bei Canonical übernehmen. Nach der Freigabe von Kubuntu 12.04 soll die KDE-basierte Distribution somit in ein reines Community-Projekt verwandelt werden, wie es jetzt schon bei anderen Ubuntu-Varianten wie Xubuntu und Lubuntu der Fall ist. Konkret bedeutet das, dass Canonical zwar noch die Infrastruktur zur Verfügung stellt, die Entwicklung aber vollständig der Community überlässt.

Kein Geschäftsmodell

Es handle sich hier um eine reine Business-Entscheidung, betont Riddell. Sieben Jahre nachdem man mit der offiziellen Unterstützung für KDE/Kubuntu begonnen hat, habe sich noch immer kein funktionstüchtiges Geschäftsmodell rund um dieses etabliert. Insofern sei es unrealistisch, eine andauernde finanzielle Unterstützung durch Canonical zu erwarten.

Hintergrund

Die Entscheidung dürfte aber auch mit der aktuellen Canonical-Ausrichtung auf die (GNOME-basierte) Desktop-Eigenentwicklung Unity zusammenhängen, auf die man derzeit die eigenen Kräfte konzentriert. Ob sich diese zu einem finanziellen Erfolg entwickeln wird, bleibt allerdings abzuwarten. Trotz der Popularität von Ubuntu wird dessen Entwicklung weiterhin massiv aus den Taschen von Gründer Shuttleworth, der sich selbst als "Software-Milliardär" bezeichnet, subventioniert. (derStandard.at, 7.2.2012)