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Die OeBS scheute für Aufträge keine Mühen.

Foto: Reuters/Heinz-Peter Bader

Wien - In der Gelddruckerei (OeBS) der Nationalbank werden erneut Restrukturierungspläne gewälzt. Die ersten Vorschläge der Geschäftsführung (die OeBS muss nach der Schmiergeldaffäre kleiner werden) hat der Aufsichtsrat unter OeNB-Vizechef Wolfgang Duchatczek zwecks Konkretisierung zurückgeschickt.

Bisher wurden Aufträge in Syrien und Aserbaidschan durch Provisionen akquiriert, einige der Beschuldigten in der Causa sprechen längst von Schmiergeld. der Standard betont, dass für alle die Unschuldsvermutung gilt.

Wobei die Nationalbanker von Aserbaidschan gern gesehene Gäste waren - wenn auch nicht ganz pflegeleichte. So schildert ein Ex-OeBS-Mitarbeiter das erste Treffen der damaligen Notenbankspitze mit den Aseris 2005: " Ich bin mit Gouverneur Rustamov durch den Tunnel von der Gelddruckerei hinüber zur OeNB gegangen. ... Rustamov war sehr aufgeregt, weil er durch den Tunnel gebracht wurde: Er hatte sich ein Limousinenservice erwartet."

Elitäre Transportvorstellungen hin oder her (Gelddruckerei und Notenbank trennen ein paar hundert Meter) - die Geschäfte blühten. Auch Notenbank-Tochter Münze lieferte Bares, wenngleich auf manchen Münzen die Jahreszahl fehlte, andere sich verfärbten. Aber: "Der Umgang mit Beschwerden und Mängelrügen hat bisher gut funktioniert, es wurden sämtliche Register gezogen, Forderungen aus Schadensfällen abzuwenden", heißt es im Protokoll eines Meetings der OeBS-Chefs Johannes Miller und Michael Wolf mit Erika Rudolph von der panamesischen Venkoy (Gelddrehscheibe für die "Provisionen").

Münzen für die Ewigkeit

Wie man die Fehler laut "Leistungsverzeichnis" von Venkoy - angeblich - in Griff bekam: "Der Chef der Nationalbank wurde überzeugt, dass es besser sei, das Fehlen einer Jahreszahl als zündende Geschäftsidee hervorzuheben. Die lasse es zu, diese Münzen auch in Zukunft zu vertreiben, ohne das Odium des ,Alten und Überholten' mitzuschleppen." Und die Schwärzung der Münzen "wurde mit der hohen Luftfeuchtigkeit in Aserbaidschan erklärt". Vielleicht spielte beim Beschwerdemanagement aber doch auch Geld eine Rolle. Denn: "Diese Tätigkeiten wurden zusammen mit dem ersten über uns erwirkten Abschluss mit einem Honorar von 3,358 Mio. Euro abgegolten."

Im Kampf um Aufträge war die Notenbanktochter laut ihren Geschäftspartnern nicht zimperlich. Etwa, als der OeBS in Aserbaidschan wegen (von der Konkurrenz bereitgestellten) Detektoren der Verlust ihres Auftrags drohte. "Einziges Mittel, die Nötigungsversuche abzuwehren, war daher, diese Detektoren als mangelhaft zu erklären. ... Selbstverständlich konnte die OeBS als Auftragnehmer die entscheidenden Schritte nicht selbst setzen. Umzusetzen war das ... nur über eine örtliche Servicefirma, die die Geräte der Konkurrenz als untauglich erklärte - freilich nicht ohne Entgelt." (Renate Graber, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 8.3.2012)